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Das war Hawaii 2004

Die "neue junge" deutsche Armada

Sehr lange hat man in Deutschland wieder auf einen Hawaii-Sieger gewartet. Obwohl es sehr viele hochkarätige Ironman-Athleten gibt, Hawaii-Siege waren rar ... es hat bislang nur einen gegeben: Thomas Hellriegel 1997. Damals war es aber gleich ein 3-fach Erfolg, 2. Jürgen Zäck, 3. Lothar Leder. Diese drei gehörten in den letzten Jahren immer zumindest zum erweiterten Favoritenkreis. Gewonnnen hat diesmal aber ein anderer. Einer der zwar auch immer wieder gemeinsam mit diesen drei Herren genannt wird, wenn es um die Elite im deutschen Ironman-Sport geht, aber doch ein wenig in ihrem Schatten stand ... der 33-jährige Norman Stadler. Vor 10 Jahren wurde er Duathlon-Weltmeister. Zweimal konnte er bisher bei einem Ironman gewinnen, 2000 und 2001 in Australien. Im heurigen Jahr qualifizierte er sich mit einem 2. Platz beim Ironman Switzerland für Hawaii. Auf Hawaii hat er sich schon früher wohlgefühlt ... 3. Platz 2000, 4. Platz 2001 und 2003. Eine Überaschung war sein Triumph nicht. Dass er ihn aber so klar und deutlich feiern konnte war natürlich schon überaschend. Auf der windigen und heissen Radstrecke fuhr er der Konkurrenz auf und davon, dass auf der Marathonstrecke gar nichts mehr passieren konnte.
Aber nicht nur Norman Stadler überzeugte von deutschen Athleten. Allerdings waren es nicht die Arrivierten. Lothar Leder konnte wegen einer Verletzung gar nicht an den Start gehen. Jürgen Zäck hatte sich kurz vor Hawaii einen grippalen Infekt eingehandelt, den er glaubte überwunden zu haben, aber während dem Wettkampf merkte er, dass er leider noch nicht überwunden ist und stieg aus. Ebenfalls ausgestiegen ist der Sieger von 1996, Thomas Hellriegel. Er war nicht krank, auch nicht verletzt. Es war einfach nicht sein Tag. Er kam mit dem Rad einfach nicht "vorwärts" und entschied sich nach dem Radfahren, auf Platz 31 liegend, auszusteigen. Und der 2-fache Ironman-Germany-Sieger (2003 und 2004) Stefan Holzner beendete schon letztes Jahr seine erfolglose "Hawaii-Karriere".
Die jungen deutschen Athleten sorgten für einen tollen Mannschaftserfolg. Der 26-jährige Münchner Faris Al-Sultan (sein Vater ist Iraker) wurde Dritter bei seiner 4. Hawaii-Teilnahme. Letztes Jahr war er schon auf Platz 7 und wurde im Juli Zweiter in Roth mit einer unter 8-Stunden-Zeit (7:58:57). Vielleicht nicht mehr ganz so jung, aber immer noch im besten Ironman-Alter, ist Alex Taubert (35 Jahre). Er erreichte mit dem 4. Platz seine mit Abstand beste Hawaii-Platzierung (12. 2001, 15. 2000). Ebenfalls unter die Top-10 (Platz 8) kam der 29-jährige Timo Bracht (Ironman-Sieger France und Florida 2003, Half-Ironman-Sieger South-Africa 2004).

Wie ging es dem Rest der Welt. Der Titelverteidiger und Favorit Peter Reid wurde seiner Favoritenrolle gerecht und belegte Platz 2. Der Sieg war diesmal nicht in Reichweite, zu groß war der Rückstand, den er sich auf der Radstrecke eingehandelt hatte (fast 22 Minuten). Nicht ganz der Favoritenrolle gerecht wurden Tim de Boom und Cameron Brown. Tim de Boom, der Sieger von 2001 und 2002, konnte sich nicht unter den Top-10 klassieren und wurde Zwölfter. Für Cameron Brown, in den letzten drei Jahren immer auf dem Podest, reichte es dieses Mal sogar nur für Platz 34. Der Shootingstar 2004, Simon Lessing, musste, wie fast alle vor ihm, bei seinem ersten Hawaii-Start noch Lehrgeld zahlen und stieg schon während dem Radfahren aus. Ebenfalls nicht ins Ziel kam der australische Roth-Sieger 2004, Michael McCormack (noch 8. nach dem Radfahren). Die Überaschung des Vorjahres, der Belgier Rudger Beke, konnte einem Jahr nach seinem 2. Platz mit Platz 5 beweisen, dass dies keine Eintagsfliege war.
Bester Nicht-Profi war ein ehemaliger Radprofi. Kai Hundertmarck, vor 2 Jahren noch mit dem Team Telekom auf der Tour de France, hat nun zu den Triathleten gewechselt und landete bei seinem Debüt auf Hawaii auf dem hervorragenden 16. Platz. Seinen ersten Ironman bestritt er im Juli beim Ironman Germany in Frankfurt. Dort holte er sich auch das Hawaii-Ticket, weil er mit dem 11. Gesamtrang natürlich die Klasse M-35 gewonnen hatte. So wie in Frankfurt erreichte er auch auf Hawaii nicht die schnellste Radzeit (wie man vielleicht vermuten würde). Er war wie in Frankfurt der zweitschnellste Radfahrer ... nur die Sieger (Holzner in Frankfurt und Stadler auf Hawaii) waren schneller. Nächstes Jahr wird er in der Profiklasse antreten.

Wie erging es den erfolgreichen Klagenfurt-Athleten 2004?

Der 3-fache Ironman-Austria-Champion Viktor Zyemtsev kann sich leider nicht zu den Hawaii-Finishern 2004 zählen. Er war bei seiner zweiten Teilnahme zwar gut unterwegs (46. nach dem Schwimmen, 17. nach dem Radfahren), konnte den Marathon aber nicht zu Ende laufen. Der zweite von Klagenfurt, Raynard Tissink, war der Erfolgreichste. Er belegte Platz 10, knapp gefolgt von Mitchell Anderson, dem 4. von Klagenfurt, der auf den 11. Platz landete. Der Dritte von Klagenfurt, Olaf Sabatschuss, handelte sich beim Radfahren eine Penalty ein und landete schießlich unmittelbar hinter Tim de Boom auf Platz 13. Der excellente Radfahrer Francois Chabaud, der in Klagenfurt in Führung lag und schließlich 7. wurde, war auch auf Hawaii glänzend unterwegs (10. nach Radfahren). Aber den Marathon hat er wieder einmal nicht überstanden.

Nina hatte die meiste "Kraft"

Bei den Damen waren in den letzten drei Jahren immer dieselben drei Gesichter auf dem Siegespodest zu sehen. Das sich das fortsetzen konnte war ungewiss, weil die Titelverteidigerin Lori Bowden eine verkorkste Saison hinter sich hatte und sich das unweigerlich auf Hawaii bestätigte. Lori landete "nur" auf dem 12. Platz. Somit ging leider eine großartige Serie zu Ende. Lori Bowden war die letzten sieben Jahre immer auf dem Podest (1997-2003). Durch den "Ausfall" von Bowden war klar, dass der Sieg wohl nur an Badmann oder Kraft gehen kann. So war es dann auch. Aber der Sieg konnte an diesem Tag eigentlich nur an Nina Kraft gehen. So überlegen und dominant hat sie sich quer über Big Island bewegt. Nina Kraft ist in den letzten Jahren immer stärker geworden. Eine gute Schwimmerin und vor allem Radfahrerin war sie schon immer. Mittlerweile ist sie aber auch eine gute Läuferin. Das musste sie dieses Mal aber gar nicht unter Beweis stellen. Natascha Badmann war nach dem Schwimmen schon 8 Minuten zurück. Beim Radfahren sind dann noch weitere 7 Minuten dazu gekommen. Da konnte sich Nina Kraft sogar eine Penalty erlauben. Diese hatte sie sich letztes Jahr ebenfalls eingefangen und das kostete ihr dann den 2. Platz. Sie war dieses Mal auch wieder ziemlich wütend über die Strafe und meinte, während dem Rennen, dass dies wohl ein Komplott gegen die Deutschen sei: "Wir dürfen hier wohl nicht gewinnen". Aber das wird sich hoffentlich nach dem Rennen wieder gelegt haben. Es war jedenfalls ein überlegener und überzeugender Sieg von Nina Kraft, die mit einem Österreicher befreundet ist.
Auf den Plätzen 3-7 gibt es keine Überaschungen. Mit Heather Fuhr, Kate Major, Lisa Bentley, Joanna Lawn und Belinda Granger landeten auf diesen Plätzen Athletinnen, die zum engeren Favoritenkreis gehörten, wenn es um das Podest ging. Hervorragend war auch die Schweizerin Karin Thürig unterwegs, die die 180 km auf dem Rad sogar schneller fuhr als Nina Kraft, danach aber aufgeben mußte.
Die Brasilianerin Fernanda Keller, die im Juli auch erstmals in Klagenfurt am Start war, konnte ihre unglaubliche Hawaii-Serie fortsetzen. In Klagenfurt war sie die hohe Favorit, hatte sie doch einen Monat davor den Ironman Brazil gewonnen. Anscheinend war die Zeitspanne zwischen Klagenfurt und Brasilien zu gering und so hat es nur für Platz vier gereicht. Auf Hawaii hat sie wieder bewiesen, dass sie sich dort wohl fühlt und landete auf dem 9. Platz, d.h. dass Fernanda Keller nun 17-mal in Serie (seit 1988) auf Hawaii nie schlechter als 15. war.
Ebenfalls eine gute Leistung bot die Klagenfurt-Siegerin Erika Csomor. Sie konnte sich bei ihrem Debüt auf Hawaii gleich auf dem 17. Platz wieder finden. Klagenfurt war also kein Zufall.
Ebenfalls erwähnenswert ist die Belgierin Kathleen Smet. Sie und Kate Allen sind wohl die beiden einzigen Athletinnen, die sowohl auf der Kurzstrecke als auch auf der Langstrecke Weltklasse sind. Im Gegensatz zu Kate Allen hat Kathleen Smet dies gleich in einem Jahr bewiesen:
Olympische Distanz - 10. bei den Europameisterschaften (April), Weltcupsieg in Kanada (Juli) und der unglückliche 4. Platz bei den Olympischen Spielen in Athen (August).
Half-Ironman - Sieg beim Half-Ironman South-Africa (März)
Ironman - 18. Platz Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii (Oktober)

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