Aufsatz:





Nein, Sammler bin ich keiner!


































ralf abraham, rockprolet



Bitte die Einleitung erst beim zweiten Mal lesen beachten, also jetzt weiterblättern!




Scheiße, ich war schon erheblich weiter aber das Programm hat sich geschlossen und das ganze Ding ist verschwunden, das nervt.

Also noch mal....das hat mich schon ziemlich getroffen, da war so ein Gefühl, jetzt ist es irgendwie anders, da ist so was wie Wut dabei.

Und bin ergriffen von etwas, das ich Sicherungswahn nenne.....



Der nächste Absatz ist eine Rekonstruktion; den Inhalt habe ich wieder gefunden, aber der Wortlaut ist verschollen, tut mir leid - es ist schon besser gefahren vorher.


Es soll sich um Schund handeln. Das Ganze soll schon amüsieren, Erklärungen sind bei Leuten zu holen die Bescheid wissen; ich bin nur schlampig, chaotisch und multioptional, also postmodern. Ich werde versuchen ziemlich modern zu sein, also dem Zeitgeist (ich wünsche allen Lesern und Hörern, vor allem den Philosophen viel Freude) mit dem Auto nach zu rasen; und so wie die Mechaniker sagen, die Geräte mondieren (Monaden haben keine Fenster).

Außerdem werde ich versuchen das ganze ohne Respekt durchzuziehen, mit Anerkennung kann ich schon leben, aber Respekt hindert mich.

Meine Werkzeuge sind eine Sammlung mit Mitschriften von Lehrveranstaltungen, die mir nützlich erscheinen, Auszügen aus dem Interview, welches während der Arbeit im Hintergrund läuft: man hört die Beatles, hauptsächlich Seltenes, also Schubladennummern, dann meine versüffte Stimme und Gypsys Infos und Anekdoten. Weiters verwendet wurden Weizenbiere und Zigaretten, die mir ausgegangen waren; Danke Gypsy. Außerdem muß ich mich noch beim Joe und beim Steve bedanken, die entwedern noch nix dagegen haben oder gar nichts davon ahnen, den Beruf gewechselt zu haben. Und meine Eltern die mich am Leben erhalten. Und den Geleerten, die das möglichgemacht haben.


Bücher werde ich auch einbauen. (Murakami, Peter & Julia: Lexikon der Serienmörder,450 Fallstudien einer pathologischen Tötungsart Ullstein Taschenbuchverlag 2000, 3. Auflage;

Graves, Barry & Schmidt – Joos, Siegfried & Halbscheffel, Bernward: das neue rock-lexikon Band 1: ABBA – Lynyrd Skynyrd Rowohlt, vollständig überarbeitetet Neuausgabe 1998)


Das sollte ein Szenario werden, obwohl ich nicht so genau weiß was es ist, aber die Beatles haben auch mit Instrumenten gespielt von denen sie nur wußten, wo man reinblasen muß.




Wir, ich und ihr sind gerade drauf und dran das Ding zu eröffnen.


(man halte 30 Sekunden inne (an was schönes denken!) und blättere weiter!)






























........Es sind 161 Ermordungen zu erwarten......





Frank ist Handlungsreisender, er arbeitet für eine Firma aus Interzone. Interzone ist ein kleiner Staat in Nordafrika, steht in den Arbeitsunterlagen, selber war er noch nie dort. Er lehnt die Idee Afrika an sich ab, er mag keinen Staub oder Sand, außerdem ist es dort, wie er aus den Mattscheibenberichten weiß, unhygienisch. Er kommt sowieso viel herum durch den Job. Ja, auf Afrika kann er verzichten.

Sein Produkt sind Identitäten, Internetidentitäten. Er hat da so eine Mappe. Die ist ziemlich bunt. Er zeigt sie den Kunden und gibt ihre Bestellungen weiter. Computer hat er keinen, braucht ihn auch nicht. Ihm reicht sein altes Mobiltelefon, ohne Firlefanz, nur zum telefonieren.

Er kommt aus guten Verhältnissen, sein Vater war Direktor an der gleichen Schule, in der auch seine Mutter unterrichtet.


Er ist alt und bieder geworden. Als er sich nach der Verrichtung seiner Bedürfnisse von der Zugtoilette erhebt um seine Hände notdürftig zu reinigen; wackelnd blickt er in den Spiegel und merkt es nicht einmal.

Frank geht zurück zum Speisewagen. Erleichtert bemerkt er, daß sein weißer Spritzer unangetastet noch auf seinem Platz neben den Zigaretten steht. Setzt sich hin, nimmt einen Schluck, steckt eine Zigarette an und blättert in seiner Illustrierten, die er als Zeitung bezeichnet. Hängen bleibt er an einem Artikel über Sammler - Seltsame Menschen.

Denkt: “Ich kann die nicht leiden, die sind ja ziemlich erbärmlich. Naja, die sind doch immer am Scheitan. Beschäftigen sich nur mit Nebensächlichkeiten und zerbrechen dran, mit der ganzen Familie...

Liest...Bärensammler, der Fred ist Pilzesammler. Kräutersammeln ist so was ähnliches wie die Holzmesse. Mir ist Fressen und Saufen Lieber als Flechtensammeln.” Er nimmt einen Schluck, denkt “..auch kann mir die Königsklasse der Bärensammler gestohlen bleiben.“

Frank trinkt aus und geht wieder zurück in sein Abteil.


Es ist jemand zugestiegen, in sein Abteil. Na toll. Und wie der aussieht. Der Eindringling wird gemustert: Total verschwitzt, die Kleidung ist schlicht, fast armselig, hart an der Grenze zu schmuddelig. Hut und Mantel hat er auch nicht ausgezogen; alles schwarz; gehetzt und erschöpft. Nein, der ist kein “Profi”. Und wer trägt heute noch Hut!

Der Hut sieht aus wie einer aus einem altmodischen Film, einen jener Filme die Frank nie ausstehen konnte, die waren nicht lustig und außerdem war es immer düster, entweder Nacht oder Sauwetter.....Egal, Frank setzt sich auf seinen Platz. “Gott sei Dank hat er nicht die Frechheit besessen meinen Sessel zu nehmen.”

Ein Telefon läutet. Seines ist es nicht, der Klingelton ist zu aufdringlich.






“Joe, Hallo. Ja sie sind richtig, Josef Mickl mein Name, wie kann ich ihnen helfen?“

“....................“

“Kein Problem, ich bin gerade unterwegs nach Wien“

“....................“

“Ich komme bald an, ca. eine halbe Stunde. Können wir uns im Büro treffen? Um 16 Uhr wäre Okay.“

“.....................“

“Ja genau, Alserstraße 22, Kreuzung Pelikangasse....bis dann..auf wiederhören...”


Frank blättert in seiner Zeitung. Schweigen.

Der andere ruht sich scheinbar aus, schaut bald eingeschlafen aus.


Frank liest diesen Artikel über Sammler weiter.


“Najo kollt ma holt auf, irgendwer konns sicha brauchen. Es muaß für die Beasch ah gehen, darf oba ned zu brutal sein. Wenn ma denkt, daß de 2 oda 3 Generationen ausholten seind se eh billig. Der Erinnerungsbär vom Untergang der Titanik. Des anzige Klo is bärenfrei...”, sagt da so einer.

“Man muß im Sammeln Scheitan um zu leben,” fährt ihm so durchs Hirn, er hat noch nie so komisch gedacht. Er blickt wieder zu seinem Gegenüber. Da ist irgendwas, wahrscheinlich, das ist ihm bis jetzt noch nicht aufgefallen. Nichts optisches, er hat da so ein Gefühl in den Raum gebracht, kein angenehmes, es ist wahrscheinlich besser wenn man nicht weiß...


Ich hab da so ein Problem, ich, der da schreibt. Ich komm mit den Satzzeichen in diesen Denk/Sprech/Beschreibungs/Mix nicht zurecht, ich hoffe trotzdem verständlich zu bleiben.


15.20 MEZ der Zug fährt Wien Südbahnhof ein. Es wird ausgestiegen.


Denke, Karl - “Papa Denke“

Am 21 Dezember 1924 wurde der obdachlose Steinmetz Vinzens Olivier zur Polizeistation der Kleinstadt Münsterberg gebracht. Bewohner des Hauses Teichstraße 10 hatten den aus der Wohnung von Karl Denke flüchtenden Herumtreiber festgehalten, der behauptete, der Alte hätte versucht ihn mit einer Spitzhacke zu erschlagen. Denke erklärte hingegen, daß der Vagabund versucht habe ihn zu bestehlen. Er habe sich lediglich zur Wehr gesetzt.

Obwohl Vinzens Olivier seine Unschuld beteuerte und auf die stark blutende Kopfverletzung hinwies, die ihm Denke mit der Spitzhacke zugefügt hatte, mochte die Polizei ihm nicht glauben. Denn der Mittsechziger galt in der schlesischen Kleinstadt als Wohltäter, der stets einen Schlafplatz für Handwerksburschen und Herumtreiber übrig hatte und wegen seiner Frömmigkeit von den Münsterbergern “Papa Denke” genannt wurde.

Am darauffolgenden Tag wurde der Herumtreiber Oliver zum Gericht gebracht und wegen Bettelns und Landstreicherei angeklagt. Er erzählte dem Richter, was ihm bei Denke geschehen war. Der Alte habe ihn freundlich empfangen und ihm nicht nur einen Schlafplatz zugesagt, sondern auch eine gewaltige Portion Fleisch serviert.

Nach dem Essen habe Denke ihn gebeten, einen Brief zu schreiben, den er ihm diktieren wolle. Als er sich beim Schreiben zu Denke umdrehte, habe er gerade noch mitbekommen, wie der mit der Hacke nach seinem Kopf schlug.

Der Richter beschloß, die Geschichte von Vinzenz Olivier zu überprüfen, und ließ Karl Denke festnehmen. Kaum im Gewahrsam, erhängte er sich mit einem Taschentuch. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung entdeckten die Polizeibeamten einen Holzbottich mit gepökelten Fleischstücken aus Brust, Bauch und Gesäßregion verschiedener Männer.

In anderen Töpfen befand sich frisch gekochtes Menschenfleisch. Darüber hinaus fand die Polizei ausgekochte Knochen und 350 Zähne menschlicher Herkunft. Von 12 Toten fanden sich sogar noch Ausweispapiere. Auf fünf Notizblattern hatte Denke die Namen von insgesamt 31 ermordeten Männern und Frauen aufgelistet und darin auch das Gewicht der Opfer vermerkt. Aus seinen penibel geführten Unterlagen ging hervor, daß Denke sich bereits seit Jahren fast ausschließlich von Menschenfleisch ernährt hatte.

Die Frage nach einer Erklärung, wie der geistig zurückgebliebene Denke zum Menschenfresser geworden ist, hat seit damals zahlreiche Psychologen beschäftigt. Der Kriminalpsychologe Professor Richard Herbartz ging davon aus, daß Karl Denke ein perverser Psychopath mit regressiven Zwangsvorstellungen gewesen sei, die ihn auf eine frühere Entwicklungsstufe der Menschheit, den Kannibalismus, zurückgeführt hätten. Moderne Sexualforscher wie Ernest Bornemann bezeichnen Lustmörder vom Schlage Denke als Prototyp des Zerstücklers. Der fetischistische Charakter seiner Morde zeige sich insbesondere an der Eigenheit, daß Denke die Körperteile seiner Opfer immer wieder wog, die Gewichte notierte und aus Hautstücken Hosenträger und Schnürsenkel anfertigte.



Joe schrickt auf, verläßt verwirrt den Zug, raus aus dem Bahnhof zum nächsten Würstelsieder. Hier ißt er schnell eine Burenwurst und zischt ein Bier dazu. Danach geht er schnurstrax zum Südtirolerplatz und steigt hier in die U1, fährt bis zum Karlsplatz, dann U2 bis zum Schottentor und der Rest wird ghatscht. Er sucht im Mantel nach seinem Telefon, findet es und ließt die Zeit ab. “Scheiße, ziemlich eng! Wie immer.” kommt ihm über die Lippen. Hört aber keiner. Beim Haus angelangt, sperrt er schnell die Tür auf und rennt die Treppe hoch in den 3. Stock. Als er die Tür mit dem Schild:

“Josef Mickl. Privatdetektiv - Dieses Büro ist Montags bis Freitags von 9.00 bis12.00 und von13.30 bis 16.00 von einem unserer fachkundigen Mitarbeiter besetzt” sieht, erstrahlt in seinem Gesicht ein erleichtertes Grinsen, nicht wegen der Botschaft, sondern weil noch niemand vor der Tür wartet. Die Tür ist verschlossen, daß heißt, seine Sekretärin hat heute schon früher Schluß gemacht. Drinnen hängt er seinen Mantel und den Hut auf den dafür gedachten Ständer, setzt sich in seinen Stuhl und raucht sich eine an.

2 Züge, klopfen an der Tür.







“Herein!“

Eine elegante Frau betritt herrschaftlich das Büro.

Joe steht auf, gibt der Frau die Hand: “Guten Tag Frau Rosenberg, wie geht es ihnen?“ Noch bevor sie antwortet, hilft er ihr aus dem Mantel.

“Guten Tag, Herr Mickel, haben sie es bekommen?”

“Bitte nicht Herr Mickl”, sagt Joe. “Joe reicht, ich werde schnell verlegen. Natürlich hab ich`s, muß ich leider zugeben, wieder ein schöner Auftrag zu Ende.”

“Zeigen sie her!”


Joe gibt der Frau ein Buch mit dunklem Einband, der Titel ist schwer zu lesen, da er lediglich geprägt wurde, keine Farbe. Es schaut ziemlich alt aus. Sie öffnet es. Die Seiten sind vergilbt. Auf der 2. Seite ist eine Widmung gekritzelt, vergilbte Tinte.

Sie liest: “In honest respect of your infernal majesty, yours A.S. LaVay.

“Ziemlich verdreckt das Ding, und deshalb der Heidenaufwand” , denkt sich Joe.

Die Lady blättert weiter: “Es handelt sich hierbei um den zum ersten Male in der deutschen Sprache verfaßten Großteil der verbotenen Schrift des wahnsinnigen Arabers Abdul Alhazred....” Einige Seiten weiter:


“IA! IA! ZI AZAG!

IA! IA! ZI AZKAK!

IA! IA! KUTULU ZI KUR!

IA!”


“Junger Mann, das ist ein Treffer. Was bekommen sie für ihre Dienste?”

“Alles in allem: 52.800.- Schilling” antwortet Joe und gibt ihr die Rechnung mit der Kostenaufstellung. Sie beginnt einen Scheck zu zeichnen, da steht nun 60.000.- drauf, unterschreibt und überreicht ihn dem Detektiven.


“Noch was,” sagt sie, “ich hätte da noch einen Auftrag für sie: In München wurde vor einem Jahr eine Beatlessammlung aufgelöst. Dabei sind einige wichtige Stücke verlorengegangen. Mich interessiert nur eine LP, eine Abby Road Prägung, rotes Vinyl aber mit Zapple.rec gelabeld. Die 6te Nummer von hinten, rückwärts abgespielt, fängt mit dem Schrei eines Kindes an, dann kommt Kauderwelsch. Dieses Stück ist locker 10.000.- wert. Dollar, nicht Schilling, sie verstehen. Sie bekommen dann bei der Übergabe 50.000.- Schillinge plus den normalen Stundensatz und Spesen. Das Geld zum Ankauf wird wie immer hinterlegt. Sie können bis 15.000.- Dollar gehen. Wenn Probleme auftauchen, rufen sie mich an.” Sie legt eine Visitenkarte auf den Tisch und entschwindet.


“Na toll”, denkt sich Joe. “Das heißt nix gutes, Sammler sind mir unheimlich, die haben so etwas irres in ihren Augen, und überhaupt: Wenn einer für eine LP 10.000.-$ ausgibt, muß es einen Haken geben. Naja, aber es ist eh schon zu spät, Deal ist Deal; einmal die Seele verspielt, immer die Seele verspielt, wer einmal mit dem Teufel redet ist verloren. Ich hätt` die Tussi damals zu den Füchsen schicken sollen...ja das wärs` gewesen, aber jetzt muß ich wohl nach Mingen.”


Staniak, Lukian - “Rote Spinne”

Der 26 jährige Pole Lukian Staniak gehörte wie “Jack the Ripper”, der “Zodiac Killer” oder David Berkowitz zu der Sorte von Mördern, die Bekennerbriefe an die Polizei und die Medien schickten. Stets benutzte er rote Tinte, und da seine Schrift an Spinnenbeine erinnerte, nannte man ihn “Czerwony Pajak” - “Rote Spinne”.

Seinen ersten Mord beging Staniak am 22. Juli 1964. Bis zu seiner Verhaftung am 1. Februar 1967 hatte er 20 Frauen ermordet. Alle Opfer waren vergewaltigt und anschließend mit einem Messer aufgeschlitzt worden. Die meisten Morde geschahen an nationalen Fest- und Feiertagen. In seinen Briefen an die Polizei entwickelte Staniak einen geradezu poetischen Stil, wenn er von seinen Morden berichtete oder sie ankündigte: “Ich habe eine saftige Blume in Olsztyn gepflückt, und ich sollte es noch mal irgendwo anders tun, denn es wird keinen Feiertag ohne eine Beerdigung geben”, oder: “Keine Freude ohne Tränen, kein Leben ohne Tod. Gebt acht, denn ich werde euch Grund zum Weinen geben.”

Einen ersten Hinweis auf Staniak erhielt die Polizei, nachdem sie am 24. Dezember 1966, über zweieinhalb Jahren nach dem ersten Mord, im Abteil eines Krakauer Zuges die Leiche der 17jährigen Janina Kozielska fand. Sie war die Schwester eines 14 jährigen Mädchens, das zwei Jahre zuvor in Warschau tot aufgefunden worden war. Die Schwestern waren beide Mitglieder eines Krakauer Künstlerclubs, dem auch Lukian Staniak angehörte. Sämtliche Mitglieder wurden vernommen, und schon bald fiel der Verdacht auf Staniak, in dessen Spind zahlreiche Messer sichergestellt wurden.

Während die polnische Polizei noch ermittelte, ermordete er eine 18jährige Studentin. Einen Tag später, am 1. Februar 1967, wurde er in seiner Wohnung festgenommen und gestand sofort.

Das Gericht verurteilte Lukian Staniak wegen sechsfachen Mordes zum Tode. Auf Grund seines Geisteszustandes wurde er nicht hingerichtet, sondern für den Rest seines Lebens in eine psychiatrische Anstalt in Kattowitz eingewiesen.



Collectors Blues:

Joe lehnt an der Theke seines Stammbeisls. Es ist ziemlich dunkel dort. Ein Bier kommt vor ihm zu stehen. Er setzt an, nimmt einen guten Schluck und sagt: “Zisch frisch....Mario gib mir bitte eine Schachtel Camel.” Und Mario gibt. Vor dem letzten Schluck überlegt Joe, das Lokal zu wechseln, weil sich nicht unbedingt das volle Leben abspielt. Er kommt aber zum Schluß, zu bleiben. “Genehmige dir einen Aufenthalt, dann bist du schneller,” sagte mal einer. Irgendwie hatte er recht. “Mario gib mir noch eins!” Einer kommt dazu, und setzt sich neben Joe, sagt nichts und bekommt trotzdem ein Bier. “Mario, kannst du bitte flottere Musik spielen, spiel den 6/8 - telblues dann zwischen 3 und 6 Uhr in der Früh.“ Zu hören ist jetzt ein Schlagzeugintro, klingt nach Painkiller, ist Painkiller, das letzte und einzige Heavy Metall Album. Er trinkt noch ein Bier, obwohl er weiß, daß es heute eh nichts bringt. Das hat man im Gefühl, doch will man es dann immer genauer wissen. Aber passieren tut dann erst recht nichts.

3 Fremde die eindringen, um ihre Platze kämpfen; sie hat die Schlacht gewonnen, mit Unterstützung der Biere. Die Gestalten offenbaren ihre Traurigkeit, während der Zoo expandiert. Müde sind sie geh zur Ruh, das Fragezeichen der Freunde. Die Rote Mauer, auch der Halm ist geknickt. Na ja, die Blonde scheint ganz nett zu sein, aber egal...

Die Frage: Warum? oder: Ist die Anziehungskraft gegeben?

Die Emus sind neugierig.

Joe zahlt, ruft sich ein Taxi, läßt sich zur Wohnung fahren und legt sich schlafen.


“Eigentlich hab ich mir schon gedacht, daß ich nach diesem ganzen scheiß Streß eine Woche Verdauungsurlaub einlegen werde. Na toll, wird wohl nix. Meine Lady hab ich auch schon lange nicht mehr gesehn`, na ja, das mit der ewigen Liebe wahr wohl auch nur Geschwafel, werde sie anrufen....” denkt er sich. Schnarchend entschwebt er der Welt der Steh(ts)bereitschaft.


......Irgendwann dann läutet sein Telefon, wovon er natürlich überhaupt nichts mitkriegt, weil er während des letzten Falles in 3 Wochen 2 mal ausgeschlafen hat........



Ein Höllenlärm drückt von beiden Seiten an sein Hirn.

“Angel of Deeeeeeeaaaaaaath.....” Joe steht wie immer senkrecht im Bett. Slayer sind so verläßlich wie die Sonne, wenn`s ums Wecken geht. Um sein Herz nicht total zu ruinieren, stellt er leiser und drückt dann den Knopf auf dem Fire steht. “Did düd dudüdudup, Did düd dudüdudup, dududüdup... dig this Babe, you don´t care about me, I dont care about that, yout got a new fool, i like it like that... et cetera et cetera”


Ja, so fängt ein schöner Tag eben an. Joe geht in die Küche, geht wieder zurück und macht den Radio etwas lauter, damit er auch in der Küche mitbekommt, ab wann sich die Seiten des Hexers zu verstimmen beginnen; stellt einen Topf mit ca. 1 Liter Wasser auf den Herd, gibt 2 ½ Suppenwürfel dazu und schneidet haufenweise Zwiebel hinein. Jetzt läßt er das Ganze solange kochen bis die gesamte Wohnung nach Zwiebel stinkt. “Aber eigentlich geht mir der Hendrix jetzt ziemlich aufm` Pelz”, denkt er sich, geht wieder zur Anlage und haut die Floodland Ceedee in die Lade, die er vor ein paar Tagen vom Bernhard bekommen hat. Floodland sind seine Freunde im Pandoras Box. Zum Zwiebelgestank mischt sich nun noch die angenehm melancholische Musik dieses Wiener Quintetts, ein wenig fad, aber schön traurig, grad richtig halt. Das Gebräu siedet, Joe dreht den Herd zurück und kostet. “Ein bissl` geht noch”...Jetzt hat er kapiert, was er die ganze Zeit sucht. Er geht zum Kleiderständer, greift in seine Manteltasche und langt nach Zippo und Kippen, zündet eine an und hört auf zu flippen. Er raucht das Camel nun bis zum bitteren Ende, drückt es in einen Aschenbecher, und hustet circa 40 Sekunden erbärmlich. Nun beginnt er die Suppe zu Essen. Sie befördert zusehends Klarheit in seinen Kopf. Jetzt nimmt er sein Notizbuch und eine Feder und beginnt zu kritzeln:


Ralf anrufen


Literatur ausleihen


Ticket für Mittwoch besorgen


Hotelzimmer Buchen


Bank


Joe rülpst, steht auf und geht aufs Klo. Verrichtet seine Bedürfnisse, zurück in die Küche. Hier inhaliert er 2 halbe Liter Wasser und hat plötzlich das Gefühl es in der Wohnung nicht mehr auszuhalten. Es muß raus, es hilft nichts.


Joe verläßt also die Wohnung. Er schlendert zu Fuß dahin, zu der Lieblingsfiliale seines Geldinstitutes. Weil dort gibt´s was ganz neues: CustumerService, sagen sie dazu, dabei sind sie einfach nicht mitgezogen als die anderen Banken umgesattelt haben. Da müßte man für Behebungen zahlen oder die Maschine benutzen, Zahlscheine selber abstempeln und so, nein da wollte Joe einfach nichts davon wissen und hat die Bank gewechselt. Außerdem gefällt sie ihm, die Michaela, hinterm Schalter.

“Morgen Herr Joe!” sagt sie mit energiegeladener Stimme. Sie kennt ihn schon lange, weiß also über einiges Bescheid und außerdem sieht er noch nicht wirklich fit aus, obwohl er sich sichtlich bemüht.

“Ich hab da so ein Gerät bekommen..”, meint er und legt den Scheck auf den Tisch. “Kannst du das erledigen? Tu die Kohle einfach auf mein Konto. Ach ja und gib mir Bitte 2000,- Schilling und 10 000,- Schilling in Demark heraus.”

Wieder an der frischen Luft, fühlt er einen Stich im Kreuz (Lendenbereich). Entsetzt bemerkt er, daß er seine Sonnenbrille irgendwo sinnloserweise angebaut hat. In Wien wächst sowieso nix, außer der Schwachsinn.


Also geht er zum nächsten Optiker und fragt ihn, ob er eine Pilotenbrille führe. Der hat dann gar keine Ahnung, was das denn sein soll.

“Na so eine Brille, welche Colt Seavers immer in den Filmen trug. “Ein Colt für alle Fälle” also “The Fall Guy”. “Tut mir leid, ich kenne leider keinen Mister Seavers.” “Ist auch egal, im wirklichen Leben heißt er eigentlich Lee Majors. Zeigen sie mir jetzt endlich ihre Sonnenbrillen? Bitte nur die Dunklen. Ich halt nix von einer gefärbten Wirklichkeit. Dämmerung reicht.”

Endlich bekommt Joe die Produkte präsentiert und Gott sei Dank ist sogar die richtige dabei. Joe sieht sie, (Dir hat erwählt der Augenschein. Augenschein ist strafbar, hat immer Vorrang. Subjekt, Herz, Verstand, Wahrheit kommen nach.)

bezahlt 2000,- Schilling und verläßt glücklich das Geschäft.

Es geht ihm jetzt sichtlich besser. Plötzlich bleibt er vor einer Auslage stehen. Zu sehen gibt’s die CeeDees, die gerade in der Hitparade kreisen. Er fixiert die Nummer eins, ist erst verblüfft, und beginnt dann zu grinsen. Da ist ein Tonträger, schlicht in Rot gehalten, ein gelber Einser drauf gemalt, und drüber steht “The Beatles” und die Liedernamen sind so durcheinand, auch in gelb gehalten. “Die sind ja noch immer eine Macht, gute Musik scheint wirklich eine Qualität zu sein die relativiert” denkt er sich und geht weiter. Es geht ihm noch immer dreckig. Aber seine Verdauung scheint einzusetzen. Er verspürt Hunger. “Jetzt brauch` ich was rustikales.” Joe heuert ein Taxi an und läßt sich zum “Stadtbeisl Ingo” pilotieren. Der Taxler macht zwar einen Umweg, aber das ist ihm wurscht, er hat eh genug Geld, kriegt er halt kein Trinkgeld. Joe betritt das Lokal, setzt sich und:

“Was zu essen bitte.”

Kellner: “Mit oder ohne Fleisch?”

“Mit, und ein Krügerl bitte.”


Joe ißt. Schnell. Dann nimmt er den ersten Schluck von seinem Bier und lehrt damit das halbe Glas. Er greift nach seinem Notizbuch. “Ralf anrufen” steht da.

Joe nimmt sein Telefon und wählt eine Nummer.

“Ralf, Hallo!” kommt aus der Muschel.

“Seas Ralf, Joe do, wos treibstn so?“

“Schnopsbrennen tua i grod. Des hod wos alchimistisches, do komma nirgends genau messn, olles muas stimmen, sunnst rind Scheiße aussa, i sitz do schon 20 Stund, werd bold außgwechselt, wird oba a guata heia, und vül, guate hundat Lita schaugn außa.

Wos brauchstn eigendlich?”

“Du Ralf, kennst du di guat bei de Beatles aus?”

“Najo... warum, kummt drauf on wost brauchst.”

“A so a Bootleg. Von da Abbey Road. Hom de wos mit Satanisten zum tuan khot?“

“Jo jo, so fül i was wor des eh genau de Zeit, wo sie in McCartney für tot erklärt hon, oba genaua konn i dir hetz oba ah ned hölfn; du kenntest den Gypsy onruafn.“

“Wen an Zigeina?“

“Na, eigentlich hast er Reineke. Der is aus St. Paul. Und der hod olles von die Beatles, unzählige Bootlegs und kennt wirklich jedes Gschichtl. Sull i dir sei Numma gebn. Is dringend, bis wonn muaßtn des wissen?”

“Es is schon dringend.”

“Ok, i ruaf die in ana ¼ tel Stund wieder zruck.”

Joe trinkt sein Bier aus und bestellt ein neues.


Außerdem startet er eine Zigarette.

Das Telefon läutet.

“Jo,...”

“Joe, Ralf do, du, host wos zan schreibn?”

“Sicha!”

“Also die Numma is:0676-300 50 30”

“Sechssiebensechs...dreihundert...fünfzig..dreißig......aha, Danke!”

“Der kennt si guat aus, wenns der ned was wer dann.”

“Danke noch amol, ria di amol, und fül Spasz noch beim Schnopsprennen, und tua ned zufül kosten.”



Es dämmert, eigentlich müßte sich Joe jetzt schön langsam erholen, aber irgendwie hat er das Gefühl, daß da irgendwas faul ist mit seinem Stoffwechsel oder so. Und das Bier ist auch schon wieder leer. Er bestellt noch eines. Wählt die Nummer.

“Reineke, hallo!”


“Hallo hier spricht Joe Mickel, Privatdetektiv. Ralf, mein Freund in Kärnten hat mir gesagt, sie könnten mir bei einer dringenden Angelegenheit weiterhelfen. Ich werde mich natürlich erkenntlich zeigen.”


“Ja dann, wenn der Ralf das sagt, dann wird wahrscheinlich so sein. Worum gehts?”


“Es geht um ein Bootleg der Platte Abbey Road. Es soll ziemlich teuer sein. Aus rotem Vinyl. Und irgendwelche magischen Attribute haben.”


“Das ist vielleicht so eine - Paul is Dead - Geschichte.”


“Paul is Dead? Davon hab ich noch nie was gehört.”


“Man lernt nie aus... Das war angeblich ein Promotion Gag, welcher systematisch ab der Revover 1966 bis zur Abbey Road 1969 durchgezogen wurde, das Gerücht, daß Paul Mc Cartney 1966 bei einem Verkehrsunfall gestorben sei und seit dem durch ein Double ersetzt wurde, wurde erst beim Abbey Road Release 1969 in Umlauf gebracht. Andeutungen und Hinweise begannen sich aber schon 1966 einzuschleichen.”



“Das ist aber ziemlich makaber, klingt aber interessant, das könnte mir helfen. Welche Hinweise hat es da zum Beispiel gegeben?”


“Naja, bei der Magical Mystery Tour, im Lied: Strawberry Fields Forever kann man am Ende vernehmen: “I burried Paul”, aber nur, wenn man das Ganze hintrisch spielt. Die haben damals alles probiert was sie nur kriegen konnten, sei es an Drogen oder auch an Geräten im Studio, sie haben alles ge- und missbraucht, deshalb, George Martin, ihr Produzent muß wohl ein sehr toleranter Mann gewesen sein.


Beim Sgt. Peppers Lonley Heards Club Band gibt's 2 Hinweiße: Wenn man einen Spiegel auf die Trommel haltet, sie somit Teilt kann man lesen: “He die”, mit Pfeil auf Paul; außerdem trägt Paul eine Armbinde: OPD = officionally pronounst dead...


Und der Höhepunkt dieser Aktion war dann eben die Abbey Road. Ein Weißer VW Käfer steht im Bild mit dem Kennzeichen: LMW28IF = Linda Mc Cartney Widdow, 28 Jahre wenn er noch leben würde.




Die Beatless gehen über die Straße: Der Harrisson ist angezogen wie ein Totengräber (im Jeansanzug) der Ringo ist angezogen wie ein Babtistenpriester (Schwarzer Anzug) John ist in Weiß: die Trauerfarbe in China und Japan. Paul hat keine Schuhe an (in Sizilien zieht man den Toten die Schuhe aus), betritt nur die Schwarzen Felder und hält die Zigarette rechts obwohl er Linkshänder ist (ist ja offiziell ein Double)......”


“Uhh, das klingt interessant, es wird immer spannender, hoffentlich wird der Fall nicht zu heiß, hab keinen Bock auf Streß!”


“...Und das sind nur die bekanntesten Hinweiße, aber offiziell haben sie nichts verlautbart. Das war nur ein Gerücht, geschickt in die Welt gesetzt. Es hat ziemlich gut funktioniert. Es ist eigentlich von der Plattenfirma gekommen, aber es hat ihnen ziemlich gut gefallen und so haben sie voll mitgemacht.


Und von der Abbey Road gibt's dann halt die Outtakes und die könnten interessant für dich sein. Aber so viel ich weiß, sind die Abbey Road Outtakes in hellblauem Vinyl gehalten....aber einmal hab ich was gehört von so einem roten Teil, soll ziemlich überteuert sein, aber keine Ahnung was da drauf ist. Ich will´s gar ned wissen, weil des dürfte ein heißes Eisen sein, angeblich war sogar der Vatikan scharf drauf. Falls du den Job wirklich noch machen willst, und du das Ding in die Hände bekommst, sieh zu, daß du´s bald wieder los wirst....”


“Danke Gypsy, du hast mir geholfen....hast du vielleicht noch ne` Ahnung, wo ich weiter Infos herkriegen könnte?”


“Es gibt da so einem Plattenladen in München, der heißt: Magic Point Rec. Und ist irgendwo beim Marienplatz, also wenn dir da wer helfen kann, dann die, die kennen alle Spezialisten hier in Mitteleuropa. Geh da mal hin, mehr kann ich dir auch nicht sagen, keine Ahnung, daß ist alles.”


“Okay, jetzt hab ich etwas Fleisch zum hineinbeißen; ich kann jetzt weiterarbeiten, danke vielmals und vielleicht sehen wir uns einmal.. ”


“Tschau...”



Aufgelegt.

“Also die Literatur wird gestaucht. Jetz` brauch ich nur noch ein Ticket und ein Hotel. Also einen Computer, und wer hat einen? Na der Steve!” denkt sich Joe und schreit:

“Zahlen bitte.”

“204 Schilling.” sagt der Kellner.

Joe gibt 220 und sagt “Danke”.




Auf dem Weg zum nächsten Taxistand ruft er den Seve2000 an.

“Jo hallo? Ah servas Joe, wos gibt's?”

“Du Steve, i brauchat a boa Informationen von dein Computer, wie schaugts denn aus host Zeit hiatz?”

“Ka Problem Joe, schau anfoch vorbei, i bin eh daham, moch ma.”

“Okay, i bin in a 5 Minuten bei dir.”


Joe steigt in ein Taxi: “Alsergrundconnection!”

“Jawohl!” meint der Taxler und gibt Gas.

Joe steigt aus beim Niedermeier und latscht die drei Stiegen hoch. Die Türe ist offen. Der Lui trinkt grod an Kaffee. Wie er den Joe erblickt, sagt er wirklich erfreut: “Servas Joe, wie geht's dir denn?” Joe darauf: “Du mir geht's guat, holt da Job, wast eh wie des is.” Darauf schreit Lui: “Steve, da Joe is do.” “Jo wort, i kumm glei, er sull noch gschwind an Kaffee trinken.” “Kennst eh in Steve, do host an Kaffee.” meint Lui.

“Hot die Antonia wieda an Rappl oda wia?”

“Ach des is normal bei de Zwa.”

Egal, nach ca 5 Minuten schließt sich Steve dem Kaffeekränzchen an und 2 Minuten später kommt sein Augenstern aus dem Schlafgemach und haucht Joe ein erschöpftes “Hi!” entgegen.


Steve: “Joe, wos brauchst denn eigentlich?”

Joe: “Nix besonderes, a Hotelzimmer und a Zugkortn für München, i muaß morgen hinfohrn wegn an Job.”

Steve: “Aso, des is eh ka Problem, des homma glei”

Joe “I hoff das i de Gschicht so bold wia möglich hinta mi bring. Scheint ziemlich haß zu sein, geht um irgend a Schollplottn. Irre wos die Leit dafür ausgeben.”

Lui “Des is jo eh genau des richtige für die.”

Joe: “Najo, i hob mir des mitn Rock´n Roll schon a bissl ondas furgstöllt, des konnst ma glabn.”

Steve: “Joe, kennst du webfreetv.com?”

Joe: “Na, noch ned.”

Steve: “Do konn ma die Phettbergpredigten onschaun, jede Wochn a neige, so a Sadomasogschicht, des wird dir sicha gfolln. Kumm gemma glei schaun, wall sunnst vagiß ih es eh wieda.”


Sie gehen in Steves Zimmer und plazieren sich um den Bildschirm des Computers, der ist natürlich von HP. Der Steve arbeitet für HP, der Steve ist schon ein HP. Der kennt sich aus, weil er lebt HP. Durch HP kennt der Steve viel gescheite, schöne, gute und vor allem reiche Leute. Der hat verstanden wie das geht mit dem Geld. Steve hat mit Peter Weibel, ja genau mit dem “Lass mich dein Klo sein” Peter Weibel (Zitat aus “Die grausame Frau”, Film mit demselbigen), Silvester gefeiert. Steve hat Erfolg. “Wenn jemand sagt, er hat Erfolg, dann red ich nicht mehr mit ihm.” hat man Joe gesagt. Joe mag Steve, er ist auch von seinem Erfolg fasziniert. Er hat sich kaum verändert, nicht einmal seine Sprache hat was abbekommen.


“Auf des stehn` die Leit.” würde Steve sagen. “Anfoch nix gschissn.”

“Wal kafn tuan sie eh sölba.”


Siswanto


“Was er getan hat kann niemals vergeben werden“, sagte der Vorsitzende Richter Sartono vom Obersten Staatsgericht in Djakarta, als er am 21. Mai 1997 den 34jährigen, obdachlosen Indonesier Siswanto wegen zwölffachen Mordes zum Tode verurteile.

Der Indonesische Serienmörder, der häufig unter dem Aliasnamen Robot Gedek auftrat, beging seinen ersten Mord im Dezember 1994. Binnen 18 Monaten ermordete der Herumtreiber und Gelegenheitskriminelle in Djakarta und Pekalongan auf Java 12 Knaben im Alter zwischen neun und zwölf Jahren. Siswanto, ein pädophiler Homosexueller, vergewaltigte seine Opfer und schlitzte sie dann auf. Der Polizei erzählte er später, daß er das Blut der Kinder getrunken und Teile der abgezogenen Haut aufbewahrt habe. Die verstümmelten Leichen ließ Siswanto auf der Straße liegen. Sein letztes Opfer fand man im Juli 1996 mit aufgetrennten Magen auf der Straße. Ob das Urteil gegen Siswanto mittlerweile vollstreckt wurde, ist nicht bekannt.


Wieder ein halbe Seite aufgrund irgendwelcher Computerspinnerein verloren – toll, nicht. Das nächste Ding schreibe ich wieder mit der Hand.


So haben sich halt alle um den Monitor plaziert und schauen diese Minifilmchen an. Joe interessiert das eigentlich überhaupt nicht. Er findet die Dinger eigentlich nur schlecht. Er kann mit dieser Art Humor nichts anfangen. Eigentlich hat er mit Humor überhaupt nichts am Hut - er findet es eigentlich Scheiße. Diese Spaszgeschichte ist seinem Leben ziemlich fern. Endlich überläßt Steve Joe den Platz vor der Tastatur.


Dieser setzt sich hin und sieht sich als erstes bei der ÖBB nach einer brauchbaren Verbindung nach München um. Die um 15.47 erscheint ihm brauchbar. Erstens hat er genug Zeit sich zu revitalisieren, und zweitens ist er dann um 20.36 in München. Daß heißt, er kann sich langsam akklimatisieren. Am Donnerstag will er sich an die Arbeit machen und spätestens am Sonntag wieder in Wien sein und das Ding abgegeben haben. Dann sucht er nach einem Hotel. Er entscheidet sich bald für das Hotel Helvetica. Das ist Zentral und finanzierbar.


“Du Steve, gehtst heit mit auf a Bier?”

“Na, Joe, i konn heit net, i hob heit Fuaßballtraining. Tuat ma lad, oba sunst gern, wast eh..”

“Steve Danke, wenn wos brauchst ruafst holt on, wert schon wieda amol passn...Servas nacha..”

Joe geht ab.

Ziellos treibt er durch die Stadt.

Er hat Zeit, vielleicht passiert was.


Irgendwie ist er wieder im Collectors Blues gelandet. Mario stellt ihm ein Bier und eine Schachtel Camel vor die Nase. Joe nickt nur zum Gruß und sagt weiter nichts. Die Zeit vergeht, aber das Bier wird nie leer. Der Mario, der kann das. Joe hat irgendwie die Schnauze voll. Warum weiß er nicht. Der Job kanns nicht sein. Da waren eh nur Vorbereitungen. Diesen Teil der Arbeit macht er eh fast gerne. Leute waren heute auch nicht soviel, daß sie ihm hätten zusetzen können. Aber egal, beim Mario ist jetzt eh nichts los. Joe geht es irgendwie nicht gut. So komische Gliederschmerzen wie vor einer Grippe.

Die Biere vergehen. Joe entzündet sich eine Zigarette. Vier Frauen waren durch die Tür gekommen. So eine Blonde fixiert Joe mit ihren Augen. Er sieht sie nicht. Sie ist hinter ihm. Er spürt ein starkes Ziehen in seinem Genick. Sie geht auf ihn zu. Stellt sich neben ihn.

Starrt ihm ins Gesicht und sagt nach einer kleinen Ewigkeit:

“Dir hat erwählt der Augenschein!”


Joe ist völlig schockiert. Natürlich freut er sich über so einen Spruch, aber was zum Teufel kann man da nachsetzen. Er hat keinen blassen Schimmer.

“Ich habe nie was besseres gehört.” fährt ihm über die Lippen. Gleichzeitig denkt er sich: “Was red ich da bloß für einen Blödsinn......”

“Joe mein Name. Würde mich über Gesellschaft freuen.”

Sie setzt sich auf den Barhocker neben ihn und bestellt ein Bier.

“Ich bin Sabine. Du gefällst mir, denn offensichtlich bist du keiner von denen, die vor lauter Spasz am Leben jeden Tag die Welt zerreißen wollen und am Ende gar nix zuwege bringen.” Joe antwortet nicht. Starrt ihr nur ins Gesicht und nimmt hin und wieder einen Schluck. Sie handelt gleich, nur rauchen tut sie mit der Rechten.

Für Joe ist das irgendwie neu. Keine Ahnung warum, aber ihre Blicke fühlen sich irre an. Ihm ist noch nie aufgefallen, daß man Blicke auch fühlen kann. Na auf jeden Fall gefällt ihm dieses seltsame Spiel. Er trinkt noch ein Bier. Die Schluckzahl hat sich seltsamerweise verringert, aber egal. Irgendwann wird es ihm doch zu bunt. Er zahlt und geht. Sabine ist hartnäckig. Sie zahlt und folgt ihm. Er winkt ein Taxi, sie steigt mit ein. Sie fahren zu seiner Wohnung. Kein Wort.



Báthory, Ersébet


Für die ungarische Gräfin Erzsébet Báthory, die im 16. Jahrhundert lebte, soll es nichts Schlimmeres gegeben haben, als zu altern. In dem Glauben, die ewige Jugend oder gar Unsterblichkeit durch Bäder in Jungfrauenblut erlangen zu können, tötete sie zusammen mit ihrem Gefolge eine Unzahl junger Mädchen und Frauen.

Erzsébeth Báthory stammte aus einem alten siebenbürgischen Adelsgeschlecht aus Transsylvanien und war eine nahe Verwandte von König Stefan IV. von Polen. Am 8. Mai 1575 wurde die 15jährige Erzsébeth standesgemäß mit dem Grafen Ferencz Nádasdy verheiratet, der für seine ruhmreichen Heldentaten bekannt und ein Nachfahre von Vlad Dracúl, dem Vorbild der heutigen Dracula Legende war. Erzsébeth lebte im Schloß Csejthe in Nyitra im Nordwesten Ungarns, und beschäftigte sich intensiv mit schwarzer Magie, Alchemie und Hexerei. Im Alter von 20 Jahren begann sie ihrem Hang zum Sadismus regelmäßig an der Dienerschaft auszuleben und sie mit verschiedenen Foltermethoden bestialisch zu quälen. Sie schlug und biß ihr Personal blutig oder malträtierte die Bediensteten mit Kneifzangen und Nadeln. Einem Diener ließ sie den Mund zunähen, weil er zuviel redete. Als ihr Gatte nach über 20 Jahren starb, nahmen ihre Grausamkeiten noch groteskere Formen an.

Als eine junge Zofe die Haare der Gräfin kämmte und dabei unachtsam war, schlug sie das Mädchen blutig. Dabei bekam Báthory einige Blutstropfen ab und bildete sich ein, daß die Haut an besagter Stelle jünger geworden sei. Sofort ordnete sie an, das Mädchen zu töten und ihr Blut in einem Bottich aufzufangen, damit sie darin baden konnte - so erzählte man sich. Ob dieses Erlebnis tatsächlich der Hintergrund oder der Auslöser für ihre Grausamkeiten war, ist ebensowenig bewiesen wie die gängige Annahme, Báthory habe “in dem Blut gebadet”. Möglicherweise waren die “Blutbäder” lediglich Metapher für die unbeschreiblichen Verbrechen der Gräfin, die ihre Foltermorde genoß und sich von ihren vertrautesten Angestellten regelmäßig junge Mädchen ins Schloß bringen ließ, wo sie in Ketten aufgehängt, gefoltert und abgeschlachtet wurden. Einige Frauen wurden mit Nadeln in die Brüste und unter die Fingernägeln gestochen, andere führte man nackt in klirrende Kälte, wo sie so lange mit Eiswasser übergossen wurden, bis sie erfroren. Báthory, erregt durch den Anblick der sterbenden Mädchen, feuerte ihre Diener - oft mit obszönen Worten - an. Gelegentlich biß sie den Opfern ganze Fleischstücke aus der Haut und verstümmelte ihre Körper mit glühenden Eisen. Nachdem einem Mädchen die Flucht gelungen war, hörte König Mattias von Ungarn von den Geschehnissen auf Schloß Csejthe und befahl seinem Statthalter Graf Cuyorgy Thurzo, einem Cousin Ezsébeths, die sofortige Stürmung des Schlosses, denn in der Umgebung waren innerhalb weniger Jahre zahlreiche Mädchen verschwunden. Anfangs waren es Frauen aus Bauernfamilien gewesen, nach denen sich niemand bei einer Gräfin vom Range der Báthory zu erkundigen wagte. Doch offensichtlich schreckte sie auch vor der Entführung von Frauen adeliger Herkunft nicht zurück.

Als die Truppen Thurzos am 29. Dezember 1610 in das Schloß eindrangen, bot sich ihnen ein Bild des Schreckens: Die Gräfin und ihre Helfer waren gerade dabei, eines der Opfer ausbluten zu lassen. Einer anderen jungen Frau hatten sie unzählige Löcher in den Körper gebohrt, und im Kellerverlies fanden die Soldaten weitere halbverhungerte Mädchen, die nach Hilfe riefen.

Die Diener und Lakaien, die an den grausamen Morden beteiligt waren, wurden kurze Zeit später hingerichtet. Zwei der Helfer begrub man bei lebendigen Leibe, nach dem ihnen zuvor die “frevelnden” Finger abgerissen wurden. Erzsébeth Báthory wurde aufgrund ihres Standes nie angeklagt. Ihre Buße bestand darin, den Rest ihres Lebens eingemauert in einer Kammer ihres Schlosses zu verbringen. Ihre Verjüngerungskuren hatten offenbar nicht viel bewirkt: Erzsébeth Báthory starb vier Jahre später, im August 1614. Zeitgenössischen Berichten zufolge soll die Gräfin mehr als 80 Jungfrauen ermordet haben.


Als erstes wurde der Kühlschrank gestürmt. Joe hat irgendwie vergessen, daß er nicht alleine ist und macht es sich nicht der Mühe wert, das Essen in Form (von Broten z.B.) zu bringen und beginnt wahllos Wurst und Käseteile in sein Maul zu stopfen. Erst als Sabine darum bittet, auch etwas Essen zu dürfen, wird ihm seine Lage bewußt. Er beginnt eine richtige Jause zu richten. Joe ordnet die Speisen auf Tellern und stellt sie auf dem Tisch. Sogar eine Flasche Rotwein wird geöffnet. Und Kerzen. Joe schmunzelt schon über seine Professionalität. Als der erste große Hunger gestillt ist, treffen sich ihre Blicke wieder, und bleiben wie verschweißt aufeinander picken. Sie essen nun langsamer, aber sie essen. Ohne auch nur daran zu denken den Blick zu lassen. Für einen Dritten dürfte es ein unterhaltsamer Anblick gewesen sein, wie sie sich die Kalorien ertasteten. Ihr fällt was runter. Sabine wird nervös.

“Verdammt, ich halte das nicht mehr aus!” faucht sie, geht zu Joe und küßt ihn:


Vollgas.


Jetzt gibt es kein halten mehr. Es wird alles vergessen, nur der Nachtisch ist von Interesse.


Da der Autor davon ausgeht, daß die Leser über genügend Phantasie verfügen um sich die folgenden Handlungen vorzustellen, gewährt er seinen Protagonisten ein wenig Privatsphäre.


Irgendwann erwacht Joe, und bemerkt, daß sich die Morgenlatte heute etwas früher als gewohnt bemerkbar macht, sieht das entzückende Frauchen neben ihm, denkt kurz nach und beginnt an ihren Nacken zu knabbern. Sabine räkelt sich verklärt und drückt sein Glied in ihre Scheide. Langsam schiebt er sein Becken gegen ihren Hintern, was ihr hörbar gefällt. Das macht er dann einige Male. Sie wird nach und nach lebendiger und beginnt sich mit ihm zu winden. Erst nimmt sie seinen Rhythmus an, findet später ihren eigenen und versucht ihn ihm nach und nach aufzuzwingen. Natürlich macht er da einige Zeit mit; das wird ihm aber dann doch zu langsam. Joe setzt sich frei und beginnt sie wie ein rasender Teufel zu penetrieren (im wahrsten Sinne des Wortes). Er kennt keine Rücksicht mehr, auch Zärtlichkeit ist ihm jetzt egal, es ist ihm wahrscheinlich auch nahezu egal wer jetzt an seiner Seite ist, er wird nahezu brutal; in der Ferne hört er Sabine stöhnen; kommt dann ins Stocken, drückt sein Glied noch einmal fest in sie und schreit laut. Jetzt ist sie ihm wieder wichtig, wichtiger, als all die anderen Idioten. Er hat irgendwie das Gefühl verstanden zu werden, beschenkt zu werden, und das tut gut.


Etsch...


Und so verbringen die beiden in der bestmöglichen Weise die ihnen noch verbleibenden Stunden. Nein, nicht so wie ihr denkt. Irgendwann haben sie nämlich zu reden begonnen. Und sie verstehen sich wirklich. Naja, sie geht dann halt irgendwann und Joe packt seine Sieben Sachen und eilt Richtung Bahnhof.


Den Zug erreicht er noch grad und grad, ein Abteil hat er auch gefunden, Gott sei dank ein leeres. Er zündet sich eine Zigarette an und geniest die Ruhe. Die braucht er jetzt wirklich, denn das ganze will verdaut werden.

Als erstes muß er an seine Frau denken, komisch das er sie schon als seine Frau bezeichnet, fühlt sich irgendwie verbunden obwohl er seines Wissens weder mit ihr geschlafen hat noch viel mit ihr geredet hat, also schlechtes Gewissen fällt weg, trotzdem komisch wie er grade auf sie kommt........


Später besinnt er sich wieder auf den Grund seiner Reise und liest sich seine Notizen noch einmal durch. Naja, viel hat er nicht. Aber es wird schon irgendwie gehen. Zum Schluß hatte er noch jedesmal Glück gehabt. Müde ist er und schlafen tut er.

Es kommen hin und wieder Leute in sein Abteil und steigen halt irgendwo wieder aus, aber das kratzt ihn jetzt überhaupt nicht, er dreht sich dann halt auf die andere Seite und schläft wieder weiter...


Dann ist es ½ 9 Uhr und der Zug fährt in den Hauptbahnhof München ein. Joe steigt aus, nimmt ein Taxi und fährt zum Hotel. Hier nimmt er den Schlüssel und bringt sein Gepäck aufs Zimmer, welches seine Ansprüche erfüllt. Dann geht er in die Hotelbar und trinkt erst mal einen Kaffee. Der tut not. 2 Zigaretten raucht er dazu.

Jetzt erst bestellt er sich ein Bier. Es fällt ihm wieder ein, daß er in München ist und freut sich doppelt auf das Getränk. Der erste Schluck will nie enden. Das Glas ist zur Hälfte gelehrt. Joe fühlt sich total ausgesaugt und elend. Er glaubt noch immer an Grippe. Das Bier scheint ihm irgendwie gut zu tun. Er trinkt es und raucht dabei. Er zahlt und geht zu Bett. Er kann nicht mehr. Er ist streichfähig. Sein Zimmer ist im 2 - ten Stock, er nimmt den Lift. Am Schlüssel steht 210. Joe sucht das dazugehörige Zimmer. Er muß an Memory denken, das Kinderspiel. Er steckt den Schlüssel in das Schloß und sagt leise: “Memory”.



Ein komisches Gefühl fährt ihm ins Rückgrad. Er macht Licht.

Sandra, seine Geliebte lehnt lässig am Tisch und lächelt ihm ins Gesicht. Die Tür war doch verschlossen. Etwas verblüfft ist er schon. “Sandra, Gott hast du mich erschreckt! Wie hast du erfahren wo ich bin?”

“Ich weiß immer wo du bist, du hast mich auch gespürt. Ich bin gekommen, weil es dir nicht gutgeht, wäre ich nicht gekommen würdest du in 2 Tagen sterben.”



“Ach geh, daß ist doch nur so eine Grippe.”

“Willst du wetten?”

“Was? .....soll das etwa....heißen....aber der Deal war, ich kann mir wann und wen aussuchen....”

“Also mit mir hat keiner gedealt, außerdem kannst du nicht abstreiten es genossen zu haben.”

“Das heißt auf gut Deutsch: entweder ich hau mich jetzt mit dir jetzt in die Kiste, oder ich muß krepieren.”

“So in etwa.”

“Also das ist keine schwere Entscheidung, denn die Wahl hast du getan. Bringen wir es hinter uns.”

“Bin ich dann schon.....Ähm...du weißt schon?”

“Nein nicht ganz, einmal werden wir schon noch müssen!”

Sandra geht auf Joe zu und bekommt wieder diesen verklärten Blick, Joe hat die Kontrolle bereits abgegeben. Zärtlich küßt sie ihn und drückt ihn aufs Bett.


Am nächsten Morgen nehmen die beiden noch gemeinsam das Frühstück ein, oder besser: Joe frißt wie ein Wolf und Sandra sieht ihm dabei zu, danach verabschieden sie sich, küssen sich noch kurz. Sie geht.


Joe fühlt sich besser, unheimlich fit. Und das um die Zeit, naja. Egal, er geht den Platz hinunter und betritt den Laden, der sich Magic Point nennt.

Zuerst geht er zu dem Regal auf dem steht “Neuerscheinungen: Skandinavien. Kramt ein bißchen und findet verblüffende Sachen. Dann irgendwie fällt ihm ein, warum er eigentlich hier ist. Egal, aber die Mayhem PD nimmt er trotzdem. Es ist fast so wie schlechtes Gewissen. Nun geht er einen ganzen Raum weiter, wo da steht: “60´s and 70´s.” Hier sucht er sich einige Geräte heraus, die er sowieso schon lange hatte haben wollen.

So wie: Cream Live, The Nice, The Who - Quadrophenia, Pink Floyd - The Piper at the gates of Dawn, The Band - The Band, und noch so an die 5 Hendrix live Dinger: Jimy Hendrix and the band of Gypsys, The Rainbowbridge Live in Maoi und so weiter.



Seefeld, Adolf - “Sandmann”

Am 3. April 1935 wurde in Wutzez, einem Dorf in der Gegend von Neuruppin, der 65 Jahre alte Adolf Seefeld festgenommen. Der Verhaftung Seefelds war eine Serie von Morden vorausgegangen, der innerhalb von zwei Jahren zwölf Knaben zum Opfer gefallen waren. Erst als im Februar 1935 zwei kleine Jungen aus Schwerin in Mecklenburg - Vorpommern innerhalb einer Woche als vermißt gemeldet und kurze Zeit später tot aufgefunden wurden, begann die Polizei, die ungeklärten Todesfälle miteinander in Verbindung zu bringen, die eineinhalb Jahre zuvor in Brandenburg begonnen hatten.

Am 18.November 1933 war der zehnjährige Ernst Testdorf in einem Wäldchen bei Ludwigslust tot aufgefunden worden. Knapp zwei Monate später fanden Spaziergänger den ebenfalls zehnjährigen Alfred Pretorius in der Nähe von Rostock. Der neunjährige Hans Korn wurde am 15. Februar 1934 bei Lübeck entdeckt. Nach einer Pause von mehreren Monaten fand man am 16. Oktober 1934 in der Nähe von Neuruppin die Leichen des fünfjährigen Arthur Dill sowie den sechsjährigen Edgar Dittrich. Schließlich wurde am 29. Oktober 1934 in der Nähe von Oranienburg ein weiterer Knabe tot aufgefunden. Bis auf einen lagen die Jungen alle in Kiefernschonungen. Eine weitere Gemeinsamkeit war, daß die auf mysteriöse Weise ums Leben gekommenen Kinder überwiegend den damals als Knabenkleidung bevorzugten Matrosenanzug oder kurze Hosen trugen.

Die Mediziner standen vor einem Rätsel: keines der getöteten Kinder wies auch nur die geringste Spur von Gewaltanwendung auf. Im Gegenteil, sie sahen aus, als seien sie friedlich eingeschlummert. Da sie zuständigen Ärzte zunächst keine Hinweise auf eine unnatürliche Todesursache entdecken konnten, waren die Leichen zunächst nicht weiter untersucht worden. Doch allmählich begannen sich die Todesfälle dermaßen zu häufen, daß die Polizei nicht mehr an Zufälle glauben mochte. Nachdem sich die Schweriner Staatsanwaltschaft mit der Berliner Mordkommission in Verbindung gesetzt hatte, um über die merkwürdigen Todesfälle zu berichten, konnte die mit ähnlichen Fällen aufwarten. In und um Potsdam waren Pilzesammler und Spaziergänger in den Wäldern ebenfalls auf Knabenleichen gestoßen. Mitte März 1935 gelang es der Berliner Kriminalpolizei, einen 40jährigen Handelsreisenden festzunehmen. Mit den Anschuldigungen konfrontiert, erhängte sich der Tatverdächtige in seiner Zelle in der Untersuchungsganstalt Moabit. Kriminalrat Hans Lobbes sah schnell ein, daß er den falschen Mann verhaftet hatte, denn kurz darauf wurde der elfjährige Gustav Thomas aus Wittenberge in einer Kiefernschonung tot aufgefunden.

Unterdessen war bei der Polizei in Bad Doberan eine Anzeige gegen einen Mann namens Adolf Seefeld, einem ambulanten Uhrmacher, erstattet worden, weil er sich einem Jungen genähert und versucht hatte, ihn in ein Kiefernwäldchen zu locken. Adolf Seefeld war der Polizei schon bekannt. Der Homosexuelle war bereits mit 25 Jahren wegen sexuellen Mißbrauchs eines Jungen im Gefängnis gelandet, wo er insbesondere dadurch auffiel, daß er mit seinem Kot spielte und an nervösen Zuckungen litt. Durch ein psychiatrisches Gutachten für schwachsinnig erklärt, verbrachte Seefeld den größten Teil seines Lebens in Gefängnissen und Irrenanstalten.

Nachdem Adolf Seefeld verhaftet und zur Kripo nach Berlin überstellt worden war, leugnete er, daß er die Kanben ermordet hatte. Gleichzeitig gab er zu, daß er mit den Jungen sexuell verkehrt hatte; angeblich auf freiwilliger Basis.

Im Februar 1936 wurde Seefeld nach fünfwöchiger Verhandlung wegen zwölffachen Mordes zum Tode verurteilt, ohne daß das Gericht herausfand, auf welche Weise er die Morde begangen hatte. Nach der Urteilsverkündung sagte er zynisch grinsend:

“Au, au, au, zwölfmal zum Tode verurteilt! Da darf der Henker dat Beil ja elfmal nur sachte tippen und beim zwölften Mal zuschlagen!“

Am 8. Mai 1936, zwei Wochen vor seiner Hinrichtung, gestand Seefeld die zwölf Morde und gab noch sieben weitere zu, nachdem ein “Spezialist für verschärfte Vernehmungen” der Gestapo, der Berliner Kriminalobersekretär Rudolf Lange, ihn verhört hatte. Ihm gegenüber soll er unter Folterungen gestanden haben, die Kinder mit selbst hergestelltem “Chloroform” vergiftet zu haben. Das Rezept dazu habe er alten Chemiebüchern entnommen. Durch die laienhafte Herstellung produzierte er vermutlich einen giftigen Chlorkohlenwasserstoff. Seefeld hatte den Kindern das Gift, das er zuvor mit einem Pfefferminzextrakt versetzt hatte, auf einem großen Stück Zucker verabreicht. Die Wirkung zeigte sich gewöhnlich nach 20 Minuten: Sobald sie völlig apathisch waren, vergewaltigte er die Knaben oder beging andere sexuelle Handlungen an ihnen. Weil die so getöteten Jungen stets so wirkten, als seien sie friedlich eingeschlummert, taufte man den Serienmörder auf den Namen “Sandmann”.


Joe legt die ausgesuchten Schallplatten, seine Beute, auf den Tresen neben der Kasse und bittet den Verkäufer darauf aufzupassen. Geht dann zurück in den 60er/70er Raum, stellt sich vor dem großen Schrank mit der Aufschrift: “The Beatles”. Hier grapscht er sich noch einige seltene Scheiben aus ihrer Deutschlandzeit, und geht zurück zum Tresen.


“Ich werde diese Stücke hier bezahlen.”

“Was haben wir den da? Das wären dann 865 Mark, machen wir 860.”

“...Schöne Auswahl haben sie hier. Ihr Laden sagt mir zu.”

“Sind sie neu hier oder nur auf Durchreise?”

“Durchreise, beruflich. Was anderes, wo gibt’s hier Lokale die gute Musik bieten?”

“Im Egger in Gern, der ist glaub ich in der Dantestraße, da trifft sich immer der Beatlesfanclub. Das Roosevelt in der Thrierstraße, gegenüber der U-Station Lehel, eine Bar im klassischen Stil aber verdammt teuer, die haben 200 Rumsorten. Dann wäre da noch das: Alter Simpl, hier sind auch viele Musiker, eher ältere Leute, kein Schickimickikram, da triffst du Leute die echt Ahnung haben.”


“Das hört sich schon ganz gut an. Danke, ich werd` wieder kommen....D´ehre!”

Joe packt seinen Kram und verläßt den Laden, geht den Marienplatz entlang bis er eine Trafik findet, hier kauft er 2 Packungen Camel, ein Feuerzeug, einen Stadtplan für alle Fälle und einen dicken Edding.


Dann geht er rauf zur Universität, nimmt ein Plakat von der Wand, dreht es um und schreibt: “30 DM/Stunde! Brauche Fahrer/in von Jetzt bis Sonntag! +43664-4181666”


setzt sich in die Aula und schaut einmal die Runde. Melden tut sich erstmal keiner, was ihm eigentlich schon wundert. Nach einer halben Stunde beginnt das Telefon zu klingeln. Die Stimme ist männlich. Joe bestellt ihn zu seinem Tisch. Das gleiche macht er auch mit den anderen 3 Personen, die anrufen. Hier stellen sie sich erstmals vor. Der erste der sich gemeldet hat heißt Sepp, ein Jungbauer der Biologie studiert. Dann waren da noch Christian und Heinz, zwei Wirtschaftsbubies und Siglinde eine Philosophine. Joe lädt sie zum Essen ein, Christian und Heinz haben keine Zeit. Mit den anderen Beiden fährt er ins Augustiner am Dante.


Ein ziemlich brauchbares Lokal. Das paßt. Joe ordert sich eine Halbe und zündet sich eine Zigarette. Er wartet was seine zwei Begleiter zu sagen haben. Sie stellen sich als recht nützlich heraus, sogar das Essen, daß sie für Joe ordern ist nach seinem Sinn. Er engergiert die beiden als Team. Sepp macht die erste Schicht und bringt ihm nach dem Essen wieder ins Hotel.


Joe braucht nach dem guten Essen und den Bieren erst einmal etwas Ruhe. Er legt sich ins Bett um zu nozn. Um 19 Uhr geht er in die Hotelbar, Sepp wartet schon.

Ein kleines Bier wird gezupft und Joe offenbart Sepp das er zum “Alten Simpel“ nach Schwabing muß. Sepp bringt ihn hin. Er wartet dann irgendwo abrufbereit.

Joe betritt das Lokal.



Es ist ziemlich lang und voll mit ebenso langen Tischen. “Gott sei Dank bin ich schon so früh hier.“ Denkt sich Joe, denn an der Bar ist nicht mehr viel frei.

Hurtig ergattert er sich noch einen Hocker und bestellt seine erste Halbe. Die ist gut.

Nach einiger Zeit beginnt so ein Typ der geraden neben ihm steht zu reden.

“I bin da Kurt!“ meint er. Er hat so einen komischen Dialekt, klingt irgendwie wie eine Mischung aus der hiesigen Brauchsprache und bekannteren Österreichischen Dialekt.

“Joe mein Name, Prost.“

“Prost. Bist du Neu hier, oder?“

“Ja ich bin Neu. Beruflich, du verstehst.“

“Handel.“

“Ja.“

“Du mir ist da neulich etwas seltsames passiert. Da hab ich in einer Discothek ein Mädchen kennengelernt, sie war 26, und das ganze war mir schon irgendwie verdächtigt. Es war eine schöne Nacht. Nur als wir dann am nächsten Tag so geredet haben, bin ich dann draufgekommen, daß ich früher einmal ihre Mutter recht gut kannte. Naja, das war dann schon ein komisches Gefühl, verstehst du, man weiß ja nie. Es hätte sich ausgehen können; dann hätt sie noch ein Tschopperl auf den Hals. Denkt man nix schlimmes und dann kommst drauf das es hätte sein können, daß du gestern abend mit deiner eigenen Tochter gepudert hast. Schon oag oda.“

“Ja soleicht kann´s passieren und du stehst voll in der Scheiße.“

“Kommst du aus Österreich?“

“Ja, aus Wien.“

“I bin aus Ruden, wohn ober scho 20 Johre in Mingen. Ruden ist in Kärnten.“

“Ich weiß wo Ruden ist, hab einen Freund in Griffen.“

“Wirklich, wie heißt den Freund denn?“

“Er heißt Ralf aber er ist erst vor einigen Jahren hingezogen.“

“Aso, na na, Ralf kenn i do kann.....Du mußt mi entschuldigen, ich muß auf die Toilette...“

Geht ab. Joe bestellt ein weiteres Bier, nimmt einen Schluck zündet sich eine Camel an, schaut der Kellnerin auf die Titten und merkt erst gar nicht, daß dieser Kurt schon wieder da ist.


“Was handelst du eigentlich?“

“In diesem Fall sind es Schallplatten. In Österreich gibt’s nur mehr Ramsch, keine Spezialitäten mehr, ich habe gedacht hier ist es besser, aber so entzückt haben mich die Läden auch nicht.“

“Ich kenne da Jemanden, Frank heißt der, der hat früher irrsinnig viele Schallplatten gehabt. Ein ganzes Haus war voll damit, er konnte kaum mehr vom Bett auf die Toilette gehen. Dann hat ihm seine Frau verlassen, und er hat dann komplett durchgedreht. In einer Raserei ist er dann mit einer Kettensäge durch die Regale gefahren. Am nächsten Tag hat er dann den Rest verkauft, mit dem Haus. Dann hat er sich eine Wohnung genommen, und arbeitet jetzt eh in deiner Branche, er ist Handlungsreisender. Und Künstler ist er auch, sagt er, sowas mit Wachspuppen, aber so genau weiß ichs nicht mehr.“

“Wachspuppen, najaj.......Ein Bier Bitte.“ Joe zündet sich eine Zigarette an. “Du, Kurt hat der Frank Geschwister oder so?“

“ja, eine Schwester hat er, die Rosi, aber die ist schwachsinnig. Die wohnt in Lehel, in einer großen Wohnung. Die Wohnung ist angeblich total krass; eine Bekonnte von mir war schon dort; die soll angeblich knallrot ausgemalt sein, auch die Türen sind rot, und alle Sachen die sie hat sind knallrot; irre nicht...“

“Naja, muß in der Familie liegen, in den Genen vielleicht.“ Grinnst Joe.

“Magst du die Beatles“ meint Kurt.

“Natürlich, sie sind notwendig, sie waren Veränderung, Befreiung.“


Ein Typ am Tisch wird ausfällig, er ruft jetzt schon das 6. Mal nach dem Kellner, und der ist noch immer nicht da. Er droht ohne zu Zahlen das Lokal zu verlassen. Der Kellner eilt herbei, schaut südländisch aus und ist mit Lederhosn gekleidet. Lustige Mischung.

Ein scharmantes Lächeln im Gesicht, sagt er: “Prego, wie kann ich dienen?“

Und sogar der Preuse ist ihm nicht mehr böse.


Kurt war auf die Toilette gewandert. Joe bestellt noch 2 Biere und zündet sich eine Zigarette an. Als Kurt Bemerkt, daß er eingeladen wurde, bekommt sein Gesicht den Ausdruck eines beschenkten Kindes. Es scheint hier nicht üblich zu sein.

Für Kurt ist das ein Hauch von Heimat, ein Bier bezahlt zu kommen. Er bedankt sich herzlich. Es wird angestoßen. Sie unterhalten sich noch den Rest des Bieres. Danach empfiehlt sich Joe und verläßt das Lokal.

Vor dem Lokal wählt er Sepps Nummer worauf dieser bald erscheint. Er bringt Joe ins Hotel. Bevor er ihm von seinem Dienst entläßt, kriegt er noch den Auftrag Morgen mit seiner Kollegin einkaufen zu gehen. Und zwar brauche er jede Menge rotes Zeug. Sie sollen alles mögliche Kaufen.


“Und wos genau sui des sei?“ fragt Sepp

“Keine Ahnung, ist ja auch egal, Hauptsache es ist rot, je roter desto besser.“

“Aaaah so“, Sepp reißt ab. Joe legt sich schlafen.




Um 11Uhr steht er auf, frühstückt, du geht danach zum Plattenladen. Zu mittag läßt er sich wieder abholen. Sie essen im selben Lokal wie gestern, weil es gut und billig ist. Danach begutachtet Joe ihre Beute. Der ganze Kofferraum ist voll, na Bravo, das muß ja wohl reichen. Sepp fährt heim und Siglinde übernimmt. Joe und das Mädchen bleiben noch am Tisch. Joe erklärt ihr was gestern passiert war und um was es geht bei der Geschichte. Er tut das nicht weil sie sich so gut verstehen oder aus Unachtsamkeit, nein, er hat keinen blassen Schimmer, ob diese Schwester die richtige ist, ob sie die Platte hat, wie er mit dieser Frau ins Reden kommen soll und wie er an die Platte kommen soll.


“Auf der Uni machen wir hin und wieder so Projekte wo wir Leute interviewen, uns dann zusammensetzen und darüber diskutieren warum sie so sind wie sie sind.“

Sagt Siglinde.

“Na toll!“ Meint Joe, “aber das ist mir eigentlich egal, ich brauch nur diese Platte.“

“Laß mich mal ausreden, verdammt, ich meine, ich könnte ihr einen Brief schreiben, oder sie anrufen, daß ich für die Uni von ihr ein Interwiev brauche, weil ich gehört habe, welche wichtige Sammlung sie betreut.....“

“Hey hey hey, du gefällst mir. Das ist sehr gut. Könnte funktonieren...“



Gain, Edward


Als 1991 der Film “Das Schweigen der Lämmer“ in die Kinos kam, wußten die wenigsten, dakß der geistesgestörte Ed Gain aus Plainfield in Wisconsin als Vorlage für den im Film dargestellten Serienmörder “Buffalo Bill“ diente und auch schon den Regisseur Alfred Hitchcock zu dem Thriller “Psycho“ inspiriert hatte.

Der am 8. August 1906 in La Crosse geborene Ed Gein wuchs Anfang der 20er Jahre auf einer Farm in der abgelegenen, knapp 650 Seelen Gemeinde Plainfield im Waushara Country auf. Die strenge Herrschaft seiner Mutter ließ nicht zu, daß Ed Umgang mit Mädchen hatte. Für ihn und seinen Bruder Henry waren Frauen verbotene Früchte. Im Laufe der Jahre entwickelte Gein ein geradezu Krankhaftes Interesse an der Anatomie des anderen Geschlechts.

Als seine Mutter 1945 starb, besorgte er sich medizinische Fachbücher und Pornozeitschriften, bis er dann anfing, nachts auf dem Gemeindefriedhof weibliche Leichen auszubuddeln. Sein besonderes Interesse galt den Häuten der Toten, die er ablöste und Präparierte. Er empfand eine ungeheure Genugtuung, sich mit gegerbter Menschenhaut zu schmücken, sofern er nicht eine Schneiderpuppe oder seine Möbel damit dekorierte. Er war besessen von der Idee einer Geschlechtsumwandlung - im konservativen Mittleren Westen der 50er Jahre völlig undenkbar. Wenn er schon keine Frau werden konnte, wollte er wenigstens wie eine aussehen und begann, sich aus den Häuten der toten Frauen einen Anzug zu schneidern.

Am 8. Dezember 1954 verschwand die 51jährige Mary Hogan aus ihrer Gastsätte in Pin Grove. Drei Jahre später am 16. November 1957, wurde Bernice Worden als vermißt gemeldet. Eine Blutlache auf dem Boden ihres Eisenwarengeschäfts deutete auf einen gewaltsamen Überfall hin. Die Spur führte zu dem 51jährigen Ed Gein, der im Ort als komischer aber harmloser Kauz verschrien war, denn sein Pick - up war zur Tatzeit vor dem Laden gesehen worden. Eine Hausdurchsuchung auf dem abgelegenen Anwesen Geins förderte Armbänder aus Menschenhaut, zehn zersägte Frauenköpfe und Stühle, deren Sitzflächen mit Hautstreifen bespannt waren, zutage. Die kopflose, nackte Frauenleiche von Bernice Worden, vom Brustbein bis zum Vaginalbereich aufgeschlitzt, hing an Seilen und Flaschenzügen. In einem Schuhkarton fanden sie weibliche Genitalien, ein Gürtel und eine Weste, angefertigt aus Frauenbrüßten. Die im Kühlschrank aufbewahrten Organe wießen darauf hin, daß Gein auch von seinen Opfern gegessen hatte. Die Genitalien zweier jüngerer Frauen stammten vermutlich von der nach einem Verwandtenbesuch in Plainfield verschwundenen Evelyn Hartley und der im Nachbarort Jefferson vermißt gemeldeten Mary Weckler. Ed Gein wurde Lediglich wegen der Morde an Mary Hogan und Bernice Worden angeklagt, im Januar 1958 für geisteskrank erklärt und ins Central State Hospital in Waupun eingeliefert. 1978 verlegte man ihn in das Mendota Mental Health Institute, wo er am 26.juni 1984 im Alter von 77 Jahren verstarb.



“Willst du noch einen Kaffee?“ fragt Joe Siglinde, “wir haben schon noch Zeit.“

“Ja bitte, ich glaub der ist jetzt sowieso notwendig.“

Der Kaffe wird geliefert. Siglinde ist gerade dabei etwas über Strategie zu schwaffeln.

“Nun mal halb lang meine Schöne. Es wäre wundervoll wenn das so einfach funktionieren würde, dann würde ich nur die Hälfte der Zeit brauchen, aber dem ist nicht so, denn: Erstens kommt es anders und Zweitens als man denkt. Wenn du willst kanst du ja versuchen zu strategieren, aber ich bin mir sicher, früher oder später hilft nur mehr Improvisieren. Aber zum Glück hat man zum Schluß meißtens Glück.“


“Na klar.“ meint Siglinde, “so einfach geht das diesmal nicht glaube ich, denn wir brauchen erstmal eine Telefon Nummer und die Adresse, wir haben aber nur Vornamen, den von ihr und dem Bruder, wer weiß ob die überhaupt stimmen. Meister, was schlägst du vor?“

“Naja. Auf jeden Fall gibt es Literatur, Telefonbuch, du verstehst. Wenn du recht haben solltest, hilft es uns nur schwer weiter. Dann können wir noch hinfahren uns die Gegend anschauen und Leute befragen, Kaffehäuser und so. Aber wenn ich recht haben sollte, reicht das Telefonbuch voll aus.“

“Was, wenn du recht hast, was ist denn deine Theorie?“

“Ganz einfach, keiner hat gesagt, daß Frank ein Vorname ist, im Gegenteil ich hab das Gefühl, daß er maximal ein guter Bekannter von diesem Kurt ist. Ich trau mich da ganz einfach tippen, daß seine Schwester auch so heißt oder zumindest einmal so geheißen hat.

Außer dem hat er sie als schwachsinnig bezeichnet. Wenn dem so ist, ist sie sicher eine alte Jungfer und war nie verheiratet.“

“Okay, wenn dem so ist hast du recht, wenn nicht haben wir wohl den Scherben auf.“


Joe führt die Tasse an seinem Mund und merkt daß sie schon leer ist. “Scheiße!“ denkt er sich, tut so als ob er trinken würde, greift dann nach dem Wasserglas, nimmt einen Schluck und ruft: “Zahlen Bitte.......Und, haben sie ein Telefonbuch?“


“Bitte, gerne!“ sagt der Kellner, und gibt den beiden das Buch.

“Zahlen sie alles zusammen oder ein jeder extrig?“

“Zusammen.“ sagt Joe. Siglinde blättert eifrig im Buch.

“Des mocht, 41 Mark 50 Pfenning.“

Joe gibt ihm zwei Zwanziger und eine 2 Markmünze. “Paßt schon.“

“Danke der Herr!“ sagt der Kellner und geht ab. Im Gehen sagt er noch: “Legns des Telefonbuch dann einfach auf die Theke.“


“Ich glaub, die könnts sein.“ Sagt Siglinde: “Rosalia Frank, Thierschstraße 9. Das ist dort in der Gegend.“

“Na dann probier dein Glück, Siglinde“ kommt von Joe, während er in seiner Jacke nach dem Telefon kramt. Er drückt es ihr in die Hand. Sie wählt. “Scheiße! Unter dieser Nummer kein Anschluß...“

“Was hast du denn gewählt?“

“Na die Nummer die da steht.“

“Kein Wunder, in Österreich gibt’s nirgends so lange Nummern. Du mußt +4989 vorwählen, dann müßte es klappen.“

Gesagt getan. Siglinde kommt durch. Am anderen Ende der Leitung meldet sich eine Frau Frank. Es stellt sich heraus, das die beiden richtig liegen. Sie hat eine der Größten Sammlungen mit Dingen in Roter Farbe, und sie sei auch bereit mit den Beiden zu reden, sie sollten irgendwann nach 16 Uhr bei ihr erscheinen.


“Jetzt ist es Halb 3.“ Sagt dann Joe, “wie lange brauchen wir dahin? Gibt es dort Parkplätze, denn du wirst wohl oder übel müssen mitgehen.“

“Das geht sich schon aus, wenn ich mich nicht täusche, gibt’s da in der Nähe ein Parkhaus, Ende Marienstraße.“

“Na dann machen wir uns auf die Socken. Ich möchte es so schnell wie möglich über die Bühne bringen.“

Gesagt getan. Wie geplant wird das Auto abgestellt, und zufuß, vollgepackt mit den Roten Dingen geht s dann weiter. Um Punkt 16 Uhr klingeln sie bei Frau Frank. Sie treten ein. Die Wohnung ist wirklich eindrucksvoll. Die Wände, die Türrahmen, der Fußboden, alles ist in rot gehalten, alles unterscheidet sich um Nuanzen. Sie werden ins Wohnzimmer gebeten. Hier nehmen sie um einen kleinen Roten Tisch platz. Sogar, die Bilder die an der Wand hängen sind rot. Joe ist ganz baff, denn die Bilder kommen ihm bekannt vor. Er kennt nämlich nur eine Künstlerin welche nur rote Bilder malt, die ist aus Kärnten und heißt Karin Ruppacher. Joe ist sich sicher daß die Bilder von ihr stammen.

Joe und Siglinde überreichen jetzt die Geschenke. Eine Lampe, eine Kafeetasse, ein Besteck, eine Handtasche und ein Kopftuch. Frau Frank freut sich über die Dinge, nur das Besteck kann sie nicht annehmen, denn sie hat schon so eines. Und mit doppelten Dingen kann sie nichts anfangen, denn sie nehmen nur Platz weg, der ohne hin spärlich gesät ist.

Siglinde fragt sie dann wann sie mit dem Sammeln angefangen habe?



“Schon immer, ich bin deshalb geboren worden, um rote Dinge zu sammeln. Wenn ich dann wieder durch Zufall ein besonderes Stück ergattert habe, erscheint er mir, und redet mit mir.“

Siglinde: “Wer erscheint?“

Rosi: “Der heilige Sebastian, der Patron für das Rote.“

“Der erscheint sicher nur den Besten.“ Wirft Joe ein.

“Wissens, ich glaub der redet nur mit mir.....Weil ich am meisten hab.“

Siglinde: “Kennen sie noch andere die Rotes sammeln?“

Rosi: “Ja ein paar schon aber die haben alle so wenig, wissen sie? Das ist der pure Neid. Ich brauch keinen von denen, die verstehen das sowieso nicht.“

Siglinde: “Wie ordnen sie die Dinge? Schreiben sie auf wo sie zu finden sind?“

Rosi: “Nein, sehen sie sich einfach um, jedes hat eh seinen Platz, da brauche ich nicht zu schlichten, man bekommt da so ein Gefühl mit der Zeit wo die Dinge hin wollen. Es ist einfach, das Besteck kommt in die Bestecklade, die Bilder an die Wand, wie in jedem Haushalt auch. Unordnung mag ich nicht. Ich sammle keine Unnützen Dinge, nur Sachen die man sowieso braucht und Dinge die mir Freude bereiten.“

Siglinde: “Was sind das für Dinge?“

Rosi: “Na die Bilder und auch Schallplatten, aber die die ich von meinem Bruder bekommen habe kann ich mir nicht anhören. Die tun weh. Aber sie schauen schön aus.“

Joe: “Wie kommen sie denn eigentlich zu den Sachen?“

Rosi: “Wissen sie, die kommen eigentlich meistens zu mir. Die Leute schenken mir immer was. Und manchmal brauche ich halt was und dann geh ich halt einkaufen.“


Joe: “Schöne Bilder haben sie hier, die gefallen mir, kenne sie den Maler?“

Rosi: “Wissen sie, voriges Jahr hat mich ein Mädchen angerufen, Karin heißt sie. Sie wollte mit mir reden, über das was ich da tue, so wie ihr. Und sie ist dann hergekommen, wir haben uns lange über die Farbe unterhalten, und zwei Wochen später sind dann die Bilder mit der Post gekommen, aus Österreich.“

Joe: “Wie klein die Welt eigentlich ist. Ich kenn die Karin nämlich. Sie malt nur rote Bilder, sie kann sehr gut mit dieser Farbe.“

Rosi: “Wirklich, so ein Zufall.

Wollt ihr einen Kaffe? Ich will die neue Tasse ausprobieren.“


Siglinde: “Ja, gerne.“

Rosi geht in die Küche.

Die beiden schaun sich um. Joe kann sich nicht entscheiden, ob er das alles nur lächerlich finden sollte, oder ob er diese seltsame Frau irgendwie bewundern sollte. Es sieht eigentlich alles Gut aus, nicht Kischig, wie er sich das so vorgestellt hat, nur rot eben. Auch Siglinde ist ganz in ihre Gedanken vertieft, wahrscheinlich arbeitet sie gerade an irgend so einer Strategie. Nach geraumer Zeit scheppert Rosi mit einem Tableau zu ihren Gästen und reicht ihnen Kaffe.

“Er schmeckt gut, wirklich gut der Kaffee“ meint Joe. Siglinde pflichtet ihm bei. “Das ist eine gute Mischung, das Kriegt man nur in der Annenstraße. Beim Kaffee zu Sparen ist eine Sünde.“ Antwortet Rosi.


Nach einer Weile Small Talk hat sich Joe dann durchgerungen die Frage zu stellen:

“Wo ist denn die Toilette, Bitte?“ Nein, das nicht. Ich glaub das passt jetzt nicht so zur Sache. So geht's weiter.


“Ich würde gerne einmal ihre Schallplatten ansehen. Würde es ihnen etwas ausmachen sie mir zu zeigen?“

“Nein, kommen sie mit sie sind dort in dem Scharlachschrank.“

Die beiden folgen der Dame.

“Sehen sie es ist schwierig. Hier habe ich viel sehr schöne Musik. Mozart, dann den Udo Jürgens, den hab ich sehr gerne, ein gescheiter Mensch. Dann den Peter Maffay, der hat eine tolle Stimme. Oder hier hab ich noch was aus Österreich: den “Watzmann“ der ist lustig aber teilweise ist es mir schon zu laut. Die hab ich schon immer da drinnen gehabt. Aber die Platten von meinem Bruder die will ich da nicht dazutun. Ich find für sie überhaupt keinen Platz der passen würde.“


“Könnte ich sie trotzdem einmal sehen?“ fragt Joe weiter. Er muß sich bemühen nicht zu aufdringlich zu sein. Denn er hat überhaupt keine Ahnung wie er an die rannkommen könnte. Gewalt kommt hier nicht in Frage. Er findet diese freundliche Frau ganz nett.

“Na wenns den sein muß werde ich sie holen, nehmt bitte wieder Platz....es ist nämlich folgendes....“ sagt sie und geht in den Flur, redet aber weiter: “.....ich hab sie von den anderen weggetan. Sie lassen mir einfach keine Ruhe, dann hab ich sie in den Fernseherschrank gelegt, aber auch da haben sie mich gestört, dann hab ichs in der Küche probiert, aber ih sogs eana, nein....“ Nun ist sie mit einer Kiste zurück, so eine rote Plastikkiste. Die Platten sind mit Tücher eingewickelt und verschnürt. Langsam, fast ängstlich packt sie die Platten aus, und gibt sie dann schnell aus der Hand. Joe nimmt sie uns sieht sie einzeln durch, und bei einer beginnen seine Augen zu funkeln. Er legt die Platten auf dem Tisch, bedacht darauf nicht zu interessiert zu wirken. Er ist verdamp nah am Ziel. Noch könnte er aber versagen und alle... “Diese Schallplatten sind wirklich beunruhigend,“ meint Siglinde “ mir wird kalt wenn ich sie angreife. Ich kann sie gut verstehen, daß sie ihre Wohnung davor schützen müssen. Aber hilft da das wegsperren?“

“Nein“, antwortet Rosi “seit sie da sind kann ich nicht mehr gut schlafen, und der Sebastian (sie macht ein Kreuzzeichen) der kommt auch nicht mehr.

Nur wegwerfen will ich sie auch nicht, wer weiß wer sie dann in die Hände bekommt. Ich glaub die sind wirklich gefährlich. Ich habe keine Ahnung was ich mit denen machen soll. Ich werde noch verrückt, wenn mir nicht bald was einfällt geht es mir vielleicht irgendwann so wie damals meinem Bruder....“ Joe erwacht plötzlich aus seiner Lethargie. Wie vom Blitz getroffen. Seine Gehirnwindungen arbeiten jetzt fast hörbar.

“Ich kenn da jemanden,“ sagt er plötzlich “Der hat auch viele von denen, er hat eine tiefen Keller in den Berg geschlagen. Er hat sie in schweren Eisenkästen gelagert. Und nur manchmal. Nur manchmal wenn er sicher ist, dann geht er hinunter und hört sich die eine oder andere an. Das macht er immer alleine...“

“Und sie glauben er würde mir helfen?“



“Ich denke schon, soll ich ihm anrufen?“

“Wenn das möglich wäre? Bitte.“

Joe greift zu seinem Telefon und wählt Gypsys Nummer.

“Reineke, Hallo!“

“Ja hallo, Joe spricht. Hättest du noch Platz für ein paar Beatlesplatten?“

“Freilich, wenns weiter nichts is, jede Menge.“

Joe zu Rosi: “Ja er würde sie nehmen, wollen sie selber mit ihm reden?“

Rosi freut sich, ihr Gesicht ziert ein jugendliches, erleichtertes Lächeln. Sie nimmt das Telefon.

“Hallo, hier spricht Frank.“

“Grüß Gott Frau Frank, Reineke mein Name.“

“Und sie würden wirklich die Schallplatten nehemen?“

“Ja selbstverständlich.“

“Und sie haben sicher genug Platz?“

“Ja, das ist kein Problem, bei mir sind sie gut aufgehoben.“

“Danke!“ sagt die Frau, und gibt das Telefon zurück.

Joe übernimmt: “Danke Gypsy, ich rufe zurück.“ Legt auf und schaltet das Telefon aus.

Alle drei sind irgendwie erleichtert. Die schwere Last hat sich mit einem Schlag in Luft aufgelöst. Rosi packt die Platten wieder ein und verschnürt sie gründlich. Holt dann eine Flasche Rotwein und kredenzt ihm ihren Gästen. Jetzt wird noch eine ganze weile so dahingeblaudert, und die Flasche geleert, bis Joe merkt daß die Sonne beireits Feiertag gemacht hat. Er bedankt sich für die Gastfreundschaft, Siglinde auch, und für die großzügige Bewirtung, Siglinde auch. “Keine Ursache,“ meint Rosi “wenn sie wüsten wie sehr sie mir geholfen haben.“ Und schließt hinter ihnen die Tür.


Auf der Straße atmen sie erleichtert tief aus. Blicken sich tief an und lachen aus vollem Herzen. Der erste weg führt zum nächsten Postamt. Aus den in Tüchern gewickelten Elpees wird ein Paket, per Einschreiben versendet, an:


Theresa Rosenberg

Waldsteinstraße 34-37/3B

1010 Wien

tel: 0664-5923671

Email: Lion@austronaut.at






Nun läßt er sich von Siglinde ins Hotel bringen und bittet sie ihm dann so um neun, halb zehn mit Sepp abzuholen. “Wir haben schließlich was zu Feiern.“ Sie verabschiedet sich und ist dahin.


Ein Hämmern. Gewaltig.

“Scheiße der Vatikan,“ denkt sich Joe und wendet.

Es klopft schon wieder.

Und: “Jo Herrgottzeitn noch a moi, wird denn der scho wieda schlofn. Steh auf du faula Sock!“

Scheinbar hat Sepp schon einen leichten Brenner, und somit den Umgang um zeit zu sparen beträchtlich vereinfacht.

Joe: “Nimm das Mädel, geh zur Bar, trinkts a Weißes und setzts es auf die Rechnung. Ich komm dann gleich.“


Joe wendet erneut. “Naja, aber wenn ich noch lange warte krieg ich keinen Anständigen mehr auf die Reihe, dabei hatt die Tussi die Mörderkohle freigeschalten.“ Steht auf denkt: “Duschen?“, überlegt “Wozu, mich brändet es!“, flüstert “Bier“, schlüpft in die Ausrüstung und verlässt das Appartment. Mit dem Lift auf rechten Wege hin zur Bar.

Der Barkeeper sieht, grinst und beginnt an einer Halben zu arbeiten. Joe stellt sich an die Bar und hebt an. Es rinnt wie immer, nur schmecken tuts heut besser. Er trinkt aus unb bestellt ein weiteres. Die beiden haben sich überwunden und kommen mit ihren Drinks an die Bar. Es werden Anstrengungen unternommen den Auftraggeber zu grüssen. Joe nickt und hebt sein Bier. Die beiden sagen “Prost“ nur Joe sagt: “Alain“, grinst und zieht durch. Stellt das leere Glas auf den Tresen und sagt: “Grüß euch.“ und sieht sie prüfend an. Verlegen trinken auch sie aus. Sie gehen zum Auto. Auf dem Weg dorhin läßt er sich vom Portier 2000DM aushändigen. Siglinde gibt Sepp den Schlussel, nimmt Joe am Armgelenk und zerrt ihn zu sich auf die Rückbank. Kurz bevor Siglinde Joe überweltigt kann er Sepp noch das Ziel mitteilen: “Roosevelt, Trierstraße eine Bar im klassischen Sinn, sauteuer, das geht.“ Sepp fährt los. Siglinde auch. Bis direkt vors Roosevelt.


Sie setzen sich an einem guten Tisch. Ein Kellner der offensichtlich Hank heißt kommt vorbei. Joe bestellt wie üblich 3 Geräte. Hank bringt 3 Weiße. Joe sagt: “Ah Russen, super.“ Die Fahrer wollen anprosten, Joe bremst, und Siglinde greift Joe schon wieder auf den Oberschenkel. Er steht auf, und gibt ihnen je 1000DM. Nach dem Prost starten sie das Gelage. Hank ist andauernd am bringen. Mittlerweile hat Siglinde von Joe abgelassen, denn das Netzen erfordert immer mehr Konzentration. Sepp schielt. Joe geht zum Abort, kommt wieder und findet nur noch einen Bierdeckel mit dem Ansatz von Siglindes Telefonnummer. Weiter hat sie's nicht geschafft. Joe schüttelt lächelnd den Kopf und stellt sich an den Tresen. Hank reagiert mit einem white russian. Joe entzündet ein camel, und lächelt zufrieden. Und so trinkt er bis in die frühen Morgenstunden. Die Amateure gehen nach Hause. Hank verbreitet mit seiner kratzigen Stimme den Hauch von “Sperrstunde“. Dabei wird ihm bewußt, daß es wieder einmal hell werden könnte. Hank serviert Joe noch einen. Sein Blick pendelt zwischen verständnisvoll und beleidigt. Joe steckt ihm 1000DM ins Hemd. Darauf holt sich Hank selber einen und stößt an. Sie kommen etwas ins Gespräch. Aber nur etwas, denn da ist noch einer an der Bar. Der will auch noch was zu trinken.

Einen weißen Spritzer.


Gerne tut er das nicht, der Hank. Joe raucht jetzt eine nach der anderen. Der Spritzertrinker mustert Joe eingehend.


Der Mann mit dem weißen Spritzer beginnt über Joe nachzudenken: “Schon wieder so ein Unbrauchbarer. Da hat der doch gerade dem Kellner einen Tausender zugesteckt und kann sich nichts anderes als diesen unwürdigen Hut und diese blöden veralterten Stiefel leisten. Ist er der Duke, oder was? Und sogar der Duke war schon im Ansatz ein unglaublicher Idiot. Jetzt raucht der eine nach der anderen, Camel, und brennt sich beinahe jede Minute ein Loch in den zugegebenermassen sehr komisch aussehenden Mantel. Dazu noch dieses komische Wodka Mischgetränk, eines nach dem anderen, und der kann immer noch stehen. Sehr verdächtig. Der hat keine Ahnung was er da überhaupt verursacht. Der Mantel - schwarz. Die Schuhe und der Hut - schwarz. Hat der noch niemals irgendetwas von einer ästhetischen Form oder der zumutbaren Kombination von Farben gehört? Wahrscheinlich ist der auch einer der solchen die glauben dass sie sich mit der radikalen Andersartigkeit einfach so aus der Welt hinausheben können. Vielleicht hat er auch noch nie einen der grossen Landschaftsmaler bewundert, der hat doch noch gar nie jemanden bewundert ausser dem John Wayne und dem Marlon Brando, aber die waren doch sowieso meist ein- und dieselbe Person. Jetzt hat er schon wieder eine angezunden, mit einer Ästhetik wie von einem Bauernjungen aus der Schweiz, einfach so angezunden, ohne abzulecken. Ich lecke meine Zigaretten immer vom Filter bis zum Ende ab, einerseits weil sie somit länger funktionieren und andererseits wegen der persönlichen Note. Was für ein unglaublicher Idiot. Der wird einmal nichts haben, worauf er sich einmal berufen wird können. Ausserwählter kann der gar keiner sein, das sind immer nur die, die sich hinter ihren Augen oder hinter ihrem Meisterwerk verstecken können.“ Und so ging er dazu über Joe mit überlegener Gestik anzugrinsen.


Joe fragt ihm ob er ein Problem habe. In seiner Stimme sind weder Geduld noch Toleranz zu erkennen.


Frank: “Nein. Ich hab' kein Problem. Ich hab in meinem ganzen Leben noch nie so etwas ähnliches wie ein Problem gehabt. Es geht sich immer aus, müssen sie wissen, so kommt man weiter. Ich sehe es ihnen ja an ihren Augen, der Art wie sie trinken und an ihrer Bekleidung an, dass sie einer derjenigen sind, die sich nicht allzu sehr um eine geregelte Existenz sorgen zu machen scheinen. Folgerichtig kann man davon ausgehen dass sie sich in einer Problematik befinden, nicht ich. obwohl ich derjenige bin der sich sein ganzes Leben lang um seine vererbte Bürde zu sorgen hat.“ zu Hank:

“Kellner, noch einen weissen Spritzer, bitte.“


“Schon toll so eine Erbschaft, ich gönne sie ihnen sogar, ist aber nicht mein Bier. Hank gib mir noch'n Russn.“ meint Joe.





Frank: “Da haben sie vollkommen Recht. Zum Glück ist es nicht ihr Bier sondern meines. Ich bin dazu auserwählt worden zu vervollständigen, niemand anders sonst, wahrscheinlich wegen meiner hohen Kunsfertigkeit und Disziplin. Mir haben sie ihr Allerheiligstes anvertraut, niemandem anderen, die Kollektion des Sandmanns, aber sie haben ja keine Ahnung von den Konsequenzen die das mit sich bringt. Das Vergrößern der Sammlung um zwei Exemplare im Jahr, ganz zu schweigen von der Vervollkommnung der bestehenden Exponate, um diese und somit mich in die Unendlichkeit eingehen zu lassen.“


Joe zündet sich ein Camel an und zieht anständig.


Frank: “Es ist immer das selbe, wenn man es mit Banausen wie ihnen zu tun hat. man kann weder ein vernünftiges Gespräch führen noch in Ruhe einen Spritzer an einer Theke trinken wenn man eine halbe Nacht lang seiner Profession nachgegangen ist. Sie haben wohl die ganze Nacht lang mit ihresgleichen gesoffen und ich habe mich meiner Kunst hingegeben, bis vor kurzem noch habe ich meines dazu beigetragen einerseits einen Menschen zu vervollkommen und andererseits eine bestehende Sammlung zu erweitern. An anderen Tagen ist es meine Pflicht, aus dem Vorhandenen das Beste zu machen. Aber an den besonderen Tagen, zwei mal im Jahr, gehe ich nachdem ich meine Aufgabe beendet habe noch auf einen Spritzer, wie Heute. Sonst reise ich durch ganz Europa und verkaufe Identitäten für's Internet, aber das tut eigentlich auch nicht viel zur Sache.“


Joe ist voll. Er geht nach Hause.





Aber einen hab ich noch:



Unterweger, Jack


Im Zuchthaus Stein, einer der größten Haftanstalten Österreichs, machte Jack Unterweger, unehelicher Sohn eines US-Soldaten und einer Wiener Prostetuierten, eine geradezu erstaunliche Karriere. Der zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilte Sexualmörder nutzte die Einsamkeit seiner Zelle und verfaßte seine Autobiografie “Fegefeuer-eine Reise ins Zuchthaus“, in der er sich mit seiner Kindheit, aber auch mit den Verbrechen auseinandersetzte, das ihn ins Zuchthaus gebracht hatte: 1974 hatte Unterweger im Alter von 24 Jahren in Wien die 18jährige Deutsche Margaret Schäfer mit ihrer Unterwäsche erdrosselt, weil sie ihn an seine Mutter erinnert habe. Das Buch erregte Aufsehen. Kritiker feierten den ausdruckstarken Schreiber für sein Erstlingswerk, und die österreichische Justiz konnte nicht umhin, den prominenten Häftling bereits nach 16 Jahren vorzeitig zu entlassen. Nachdem Unterweger im Mai 1990 freikam, erhielt er in Deutschland den Ingeborg-Derwitz-Literaturpreis, wurde in Österreich monatelang von einer Talk-Schow zur anderen herumgereicht und avancierte bald zum Liebling der Wiener Schickeria.

Im Oktober 1990, knapp sechs Monate nach seiner Entlassung, wurde die Wiener Prostetuierte Brunhilde Massener als vermißt gemeldet. Drei Monate später wurde sie von Spaziergängen im Wald tot aufgefunden. Sie war mit ihrer Unterwäsche erwürgt worden. Im Januar 1991 fand man die ebenfalls zuvor als vermißt gemeldete Prostituierte Heide Hammer ermordet auf. Auch sie war mit ihrer Unterwäsche erdrosselt worden. Im Verlauf des Jahres 1991 wurden ncoh fünf weitere tote Frauen im Waldgebieten entdeckt.

Der Reporter Jack Unterweger berichtete persönlich über die Fälle, interviewte den Leiter der Grazer Mordkommission, Chefinspektor Edelbacher, über den Stand der Ermittlungen und ging schließlich sogar soweit, die Polizei dafür zu kritisieren, daß es ihr nicht gelang, den grausamen Serienmörder zu fassen. Doch dann wandte sich die Polizeit mit der Meldung an die Öffentlichkeit, daß Unterweger selbst dringed verdächtig sei. Die Gendarmen hatten herausgefunden, daß der Reporter stets in der Nähe der jeweiligen Tatorte Lesungen veranstaltet hatte. Plötzlich erninerte man sich daran, daß der Mord, wegen dem Unterweger im Zuchthaus gesessen hatte, auf exakt die gleiche Weise begangen worden war. Allerdings fehlten den Beamten Beweise, und so wandte sich die ganze Wiener Literatenszene gegen die “haltlosen und aus der Luft gegriffenen Behauptungen“ gegen ihren Protegé.

Im Sommer 1991 fuhr Unterweger für vier Wochen nach Los Angeles, um dort für eine Wiener Illustrierte über Prostitution zu recherhieren. Beamte von Los Angeles Police Departement kutschierten Unterweger sogar im Streifenwagen durch die Rotlichtviertel der Stadt, wo in den folgenden Tagen ebenfalls drei Prostituierte ermordet aufgefunden wurden, die mit ihrer Unterwäsche erwürgt worden waren. Nach seiner Rückkehr nach Europa hielt sich Unterweger in Tschechien auf. Auch dort ereignete sich plötzlich ein ähnlicher Mord. Nachdem sich die Indizien gegen Jack Unterweger derart verdichtet hatten, daß die Wiener Gendarmerie einen Haftbefehl gegen ihn erwirken konnte, flüchtete er mit seiner Freundin, der 18 jährigen Bianca Monk, in die Schweiz und von dort nach Miami, wo er am 27. Februar vom FBI verhaftet wurde.

Da man in den USA innerhalb der auf 90 Tage begrenzten Untersuchungshaft keine Beweise für seine Täterschaft beibringen konnte, obwohl die Indizien zwingend waren lieferten die US-Behörden ihn nach Österreich aus.

Am 20. April 1994 wurde vor dem Grazer Landgericht der Prozeß gegen Jack Unterweger eröffnet. Ein im Kofferraum seines Wagens gefundenes Kopfhaar der in Tschechien ermordeten Prostetuierten Blanka Bockova und Fusseln aus einem seiner Schals, die an der Kleidung einer der erdrosselten Frauen gefunden worden waren, reichten den Geschworenen aus, Unterweger am 29. Juni 1994 wegen neunfachen Mordes zu verurteilen. Zwei weitere von ihm begangene Morde wurden nicht verhandelt. Das Urteil lautetet auf lebenslange Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt für kriminelle Triebtäter. Unterweger, der die Morde vor Gericht bis zuletzt geleugnet hatte, räumte einem Freund gegenüber die Verbrechen ein, bevor er sich wenige Stunden nach seiner Verurteilung in seiner Zelle am Gummizug seiner Trainingshose erhängte.